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Zwei Briefe nach Frankfurt

Wilhelm Busch

Nanda und Letty, meine Lieben!
Viel schnen Dank, da Ihr geschrieben!
Ich hre mit Zufriedenheit,
Da Ihr noch alle munter seid
Und habt seitdem und whrenddessen
Den Onkel Wilhelm nicht vergessen,
Der dahingegen, wie Ihr wit,
Euch auch gar sehr gewogen ist.
Viel oftmals denk' ich stillerfreut
Der letzten schnen Frhlingszeit;
Wie da die Knospen aufgebrochen,
Die Blumen aus der Erde krochen.

Den Pfirsich und den Apfelbaum
Sah man vor lauter Blten kaum;
Und freudig summt und brummt in ihnen
Das leichtbeschwingte Volk der Bienen,
Die diesen Herbst vor allen Dingen
Dem Doktor sen Honig bringen.
Wie schnell wuchs da im Gartenraum
Nanda ihr guter Birnenbaum.
Der wird nun wohl in diesen Tagen
Schon groe, gelbe Birnen tragen.
Und auch die Bumchen, welche heuer
Ganz dicht am stlichen Gemuer
Die Letty oft und unverdrossen
Mit ihrem Knnchen hat begossen,
Die sind nun auch wohl schlank und schn
Und knnen ber die Mauer sehn.

Am schnsten aber - wit Ihr's noch? -
Am allerschnsten war es doch,
Wenn wir die schnen Nachmittg,
Am Tische dort im Gartenweg,
Den Maiwein in die Glser gossen
Und ihn dann still und unverdrossen
Mit Freudigkeit hinunterschlrften -
Wenn wir das nur bald wieder drften!!

Doch das ist leider nun vorbei!
Vorber ist der schne Mai!
Lngst hat der Sommer angefangen,
Bald kommt der Herbst herangegangen;
Es weht der Wind, der Regen fllt,
Und voll von Krieg ist nun die Welt.
Jaja! Das ist nicht angenehm!!

Indes trotz diesem und trotzdem
Gedenk' ich doch in dem Oktober
Von meinem Vaterland Hannober
Zurck in Frankfurt an dem Main -
Ihr Kinnercher! - bei Euch zu sein.
Nun lebt recht wohl! Und grt mir ja
Zuerst die gute Frau Mama.
Grt auch die brave Schwester Lina
Und dann den Johann und die Mina,
Und Bruder Hugo und den Harry.
Wenn Ihr sie seht, grt auch die Mary!
Und - liebe Nanda, liebe Letty!
Verget mir's nicht - und grt die Betty!

Also adieu! - Es wird schon donkel,
Drum schliet den Brief der gute Onkel!
Doch einmal wird noch eingetunkt -
Seht her! - jetzt kommt der groe Punkt.

Euer stets getreuer Onkel Wilhelm

N. B. Eh' ich's vergesse! - Sagt, wie schaut's
Denn aus mit der Familie Schnauz?
Sind Schlupp und Tapp und Pfiff noch immer zu Haus?
Oder sind sie schon in die weite, weite Welt hinaus?




Wilhelm Busch

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