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Der Geigenseppel

Wilhelm Busch

Jaja! sprach meine alte Base
Und kratzte sich bedenklich an der langen Nase.
Jaja! So ist es! - Bei Musik und Tanz,
Da wedelt der Teufel vergnglich mit dem Schwanz.

Drum geht denn auch bei solchem Teufelsspa
Ein frommer Christ abseit und denkt sich dies und das
Und freut sich als ein frommer Christ,
Da der andre allein des Teufels ist. -

Ja, merk nur auf und lache nicht
Und hr vom Geigenseppel die Geschicht:
Der Geigenseppel war ein lustig Haus,
Lebt' in Saus und Braus, jahrein, jahraus,

Und zog als Spielmann von Ort zu Ort;
Bald geigt' er hier, bald trank er dort.
So geigt' er auch einmal beim Kirchweihfest
Von frh bis spt aufs allerbest

Und trank dazu des Weins genug,
Bis da die Glocke zwlfe schlug;
Nachdem so trank er noch ein Glas
Und zog dann seine Strae frba.

Der Geigenseppel kam alsbald
In einen Wald,
Der war so dicht,
Man sah den Mond und die Sterne nicht;

Auch munkelt man so allerlei,
Da es da drinnen gar nicht eben geheuer sei.
Ein Weilchen ging nun das Ding recht gut.
Der Geigenseppel trabte mit gutem Mut

Durch dick und dnn, ber Stein und Stock;
Hier fat' ihn ein drrer Ast am Rock,
Dort kratzt' ihn ein Dorn
Und auf einmal - hat er ganz den Weg verlorn:

Das halte der Teufel lnger aus!
Da wollt' ich schon lieber, ich wr' zu Haus
Oder da ich ein gutes Wirtshaus fnd'!
Kreuz - Himmel - Teufel - Sapperment!

So fluchte der Geigenseppel und sakramentierte,
Bis ihm ein seltsam Ding passierte. -
Es war ihm auf einmal und kam ihm vor,
Als klnge Musik zu seinem Ohr;

Und als er sich Bahn durch die Zweige brach,
Klang's nher und nher allgemach
Und klang so fremd und sonderbar,
Und - pltzlich - stand da hell und klar

Ein mchtig groes Schlo im Mondenschein. -
Hei! dachte der Geigenseppel, da geh' ich hinein,
Denn da drinnen, scheint mir, geht's lustig her. -
Gedacht, getan; er qult sich nicht sehr,

Er tritt durch das Tor, er schlpft in den Saal;
Da brannten die Kerzen, wohl tausend an der Zahl.
Potz Blitz! War das eine Pracht!
Alles und alles war aus purem Gold gemacht.

Aber am meisten tten ihn doch erbauen
Die vielen wunderschnen Frauen,
Die gar so seltsam und wild und eigen
Hinauf und hinunter sich schwangen im Reigen,

Derweilen sieben alte schwarze Katzen
Die Geigen strichen mit den Tatzen.
Hu, war das ein Gekratz und ein Gequiek!
Eine wahre Teufelskatzenmusik!

Dem Geigenseppel wurden die Ohren lang.
Er sehnte sich nach einem guten Trank
Und blickte verstohlen hin und her,
Ob da nicht irgendwo etwas zu trinken wr'.

Da trat zu ihm eine Frau gar hold,
Die reicht' ihm einen Becher von Gold,
Gefllt zum Rand mit rotem Wein;
Sie lacht' ihn an, sie grt' ihn fein.

Und sprach: Ei Geigenseppel, bist auch hier?
Da trink und spiel uns ein lustig Stcklein fr! -
Der Geigenseppel, gar nicht bld,
Alsbald den Becher leeren tt;

Und schob ihn dann, als mt' es grad so sein,
Gemchlich in seinen Ranzen hinein. -
Nachdem als zu End der Katzenchor,
Zog der Geigenseppel seine Geige hervor.

Juchhei, wie flogen so lustig und munter
Die Tnzer im Saale hinauf und hinunter,
Hinauf und hinunter im wogenden Reigen,
Sie tanzten so seltsam, so wild und so eigen!

Da tat der Geigenseppel den letzten Strich. -
Und wieder trat zu ihm und verneigte sich
Die schne Frau und reicht' ihm dar
Eine Geige, die ganz von blankem Golde war:

Die Geige von Gold, so sprach sie, schenk' ich dir,
Spielst du uns noch ein lustig Stcklein fr. -
Der Geigenseppel bedacht' sich nicht eben lang,
Er nahm die Geige von Golde blank,

Die alte aber warf er keck
Beiseit ins Eck.
Ei, wie das klang,
Als der Geigenseppel jetzt den Bogen schwang,

So wild, so zaubervoll,
Die Tnzer rasten dahin wie toll;
Und als er den letzten Strich getan,
Sah wieder ihn die schne Frau so schmachtend an

Und sprach: Was du begehrst, ich gewhr' es dir,
Spielst du uns noch ein lustig Stcklein fr. -
Gern, rief er, geigt' ich bis zum Morgenschein,
Drft' ich, du Holde, dann dein Liebster sein! -

Sie reicht' ihm ihre Hand, sie nickt' ihm zu -
Da war's geschehn um seines Herzens Ruh.
Wild und immer wilder strich er seine Geigen,
Die Tnzer, sie flogen im wogenden Reigen;

Die Augen verglhten, die Wangen verblaten,
Doch immer noch wollten die Tnzer nicht rasten;
Schon flimmern die Kerzen matt und flau,
Schon scheint durch die Fenster der Morgen grau -

Da hrte man von ferne die Hhne krhn.
Und wie die Nebel vor dem Morgenwind verwehn,
So war zerstoben und verpufft -
Husch, husch! - zu lauter Nebelduft


Das ganze lustige Hexengesindel. -
Den Geigenseppel packte der Schwindel,
Und eh' er's versah,
Lag er rcklings am Boden da. -

Es war am Morgen, die Luft war grau und trb,
Als sich der Geigenseppel die Augen rieb;
Und da - o weh! - kam's an den Tag,
Da er unter dem hellichten Galgen lag. -

Die ganze Herrlichkeit, die kehrte sich in Verdru;
Der Becher war ein alter Pferdefu,
Und statt der Geigen, von Golde ganz,
Hielt er eine tote Katze am Schwanz;

Und als er endlich mit Weh und Ach
Hinunter ins Stdtlein hinkte allgemach,
Da schaut' gleich aus dem ersten Haus
Ein ururaltes Weib heraus,

Die rief: Ho, Geigenseppel, wohin, woher?
Kennst du dein Liebchen von heut nacht nicht mehr!
Hoho, du Falscher! Ist das der Brauch?
Du versprachst, mich zu lieben, nun halt es auch! -

Der Geigenseppel aber hat sich schnell beiseite gedruckt
Und dreimal herzhaft ausgespuckt. -

Da sieht nun jeder wohl ganz klar,
Da hier der Teufel im Spiele war.
Drum hte dich!
So sprach meine alte Base - und schneuzte sich.




Wilhelm Busch

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