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Ritter Paris

Ludwig Uhland

Paris ist der schönste Ritter,
Alle Herzen nimmt er hin.
Jede Dame kann's beschwören
An dem Hof der Königin.
Was der schönen Siegeszeichen
Warf das Glück in seinen Schoß!
Briefe, die von Küssen rauschen,
Locken, Ringe, zahlenlos.
Allzu leichter Siege Zeichen!
Ungebetnes Minneglück!
Bann und Fessel nennt euch Paris,
Stößt sein süßes Los zurück.
Schwingt zu Roß sich, schwergerüstet,
Glüht von edler Heldenlust,
Beut den Frauen all den Rücken,
Beut den Männern keck die Brust.
Doch es will kein Feind sich zeigen,
Frühling waltet im Gefild,
Mit dem Helmbusch spielen Lüftchen,
Sonne spiegelt sich im Schild.
Weit schon ist er so geritten,
Siehe! da an Waldes Tor
Hält ein Ritter, hoch zu Rosse,
Strecket ihm die Lanze vor.
Ritter Paris fliegt zum Kampfe,
Eilte nie zum Reihn so sehr;
Wirft den Gegner stracks zur Erde,
Blickt als Sieger stolz umher;
Naht sich hülfreich dem Geworfnen,
Nimmt ihm ab des Helms Gewicht:
Sieh! da wallen reiche Locken
Um ein zartes Angesicht.
Wie er Schien' und Panzer löset,
Welch ein Busen! welch ein Leib!
Hingegossen ohne Leben,
Liegt vor ihm das schönste Weib.
Würden erst die bleichen Wangen
Röten sich von neuer Glut,
Hüben erst sich diese Wimpern,
Wie dann, Paris, junges Blut?
Ja! schon holt sie tiefen Atem,
Schlägt die Augen zärtlich auf;
Die als wilder Feind gestorben,
Lebt als milde Freundin auf.
Dort, in Stücken, liegt die Hülle,
Die ein starrer Ritter war,
Hier, in Paris' Arm, die Fülle,
Süßer Kern, der Schale bar.
Paris spricht, der schöne Ritter:
»Welcher Sieg nun, welcher Ruhm?
Soll mir nie ein Strauß gelingen
In dem ernsten Rittertum?
Wandelt stets, was ich berühre,
Sich in Scherz und Liebe mir?
Minneglück, das mich verfolget,
Zürn' ich oder dank' ich dir?«




Ludwig Uhland

Biographie

Balladen und Gedichte
Abendwolken
Abreise
Am 18. Oktober 1816
Bertran de Born
Das alte, gute Recht
Das Glück von Edenhall
Das Schifflein
Das Schloß am Meere
Das versunkene Kloster
Der gute Kamerad
Der Königssohn
Der nächtliche Ritter
Der Schmied
Der Student
Der Ungenannten
Der wackere Schwabe
Der weiße Hirsch
Der Überfall im Wildbad
Des Knaben Berglied
Des Sängers Fluch
Die Abgeschiedenen
Die Geisterkelter
Die Geisterkelter
Die Kapelle
Die Malve
Die neue Muse
Die sanften Tage
Die Zufriedenen
Einkehr
Entschluß
Frühlingsglaube
Fräuleins Wache
Graf Eberstein
Graf Richard Ohnefurcht
Heimkehr
Hirsau
In ein Stammbuch
Inschrift
Lauf der Welt
Legende
Mailied
Nachruf
Neujahrswunsch 1817
Nächtlicher Himmel
Reisen
Ritter Paris
Romanze vom kleinen Däumling
Schwere Träume
Schäfers Sonntagslied
Seliger Tod
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Trinklied
Verborgenes Leid
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