Balladen und Gedichte Songtexte und Volkslieder Wissen und Forschung Suche und Links
Autoren
Themen
Länder

Arndt, Ernst Moritz
Arnim, Achim von
Brentano, Clemens
Browning, Robert
Busch, Wilhelm
Bürger, Gottfried August
Chamisso, Adelbert von
Droste-Hülshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph von
Ernst, Otto
Fontane, Theodor
Gerhardt, Paul
Goethe, Johann Wolfgang von
Grillparzer, Franz
Hagedorn, Friedrich von
Hebbel, Friedrich
Heine, Heinrich
Herder, Johann Gottfried von
Hofmannsthal, Hugo von
Housman, A.E.
Hölty, Ludwig Heinrich Christoph
Keats, John
Keller, Gottfried
Kraus, Karl
Liliencron, Detlev von
Meyer, Conrad Ferdinand
Münchhausen, Börries Frhr. von
Mörike, Eduard
Ringelnatz, Joachim
Schiller, Friedrich
Storm, Theodor
Uhland, Ludwig
Weckherlin, Georg Rodolf

Taillefer

Ludwig Uhland

Normannenherzog Wilhelm sprach einmal:
»Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal?
Wer singet vom Morgen bis in die späte Nacht,
So lieblich, daß mir das Herz im Leibe lacht?«

»Das ist der Taillefer, der so gerne singt
Im Hofe, wann er das Rad am Bronnen schwingt,
Im Saale, wann er das Feuer schüret und facht,
Wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht.«

Der Herzog sprach: »Ich hab einen guten Knecht,
Den Taillefer, der dienet mir fromm und recht,
Er treibt mein Rad und schüret mein Feuer gut,
Und singet so hell, das höhet mir den Mut.«

Da sprach der Taillefer: »Und wär ich frei,
Viel besser wollt ich dienen und singen dabei.
Wie wollt ich dienen dem Herzog hoch zu Pferd!
Wie wollt ich singen und klingen mit Schild und mit Schwert!«

Nicht lange, so ritt der Taillefer ins Gefild
Auf einem hohen Pferde, mit Schwert und mit Schild.
Des Herzogs Schwester schaute vom Turm ins Feld,
Sie sprach: »Dort reitet, bei Gott! ein stattlicher Held.«

Und als er ritt vorüber an Fräuleins Turm,
Da sang er bald wie ein Lüftlein, bald wie ein Sturm.
Sie sprach: »Der singet, das ist eine herrliche Lust!
Es zittert der Turm und es zittert mein Herz in der Brust,«

Der Herzog Wilhelm fuhr wohl über das Meer,
Er fuhr nach Engelland mit gewaltigem Heer.
Er sprang vom Schiffe, da fiel er auf die Hand:
»Hei!« – rief er – »ich faß und ergreife dich, Engelland!«

Als nun das Normannenheer zum Sturme schritt,
Der edle Taillefer vor den Herzog ritt:
»Manch Jährlein hab ich gesungen und Feuer geschürt,
Manch Jährlein gesungen und Schwert und Lanze gerührt.

Und hab ich Euch gedient und gesungen zu Dank,
Zuerst als ein Knecht und dann als ein Ritter frank:
So laßt mich das entgelten am heutigen Tag,
Vergönnet mir auf die Feinde den ersten Schlag!«

Der Taillefer ritt vor allem Normannenheer,
Auf einem hohen Pferde, mit Schwert und mit Speer,
Er sang so herrlich, das klang über Hastingsfeld,
Vom Roland sang er und manchem frommen Held.

Und als das Rolandslied wie ein Sturm erscholl,
Da wallete manch Panier, manch Herze schwoll,
Da brannten Ritter und Mannen von hohem Mut,
Der Taillefer sang und schürte das Feuer gut.

Dann sprengt' er hinein und führte den ersten Stoß,
Davon ein englischer Ritter zur Erde schoß,
Dann schwang er das Schwert und führte den ersten Schlag,
Davon ein englischer Ritter am Boden lag.

Normannen sahen's, die harrten nicht allzu lang,
Sie brachen herein mit Geschrei und mit Schilderklang.
Hei! sausende Pfeile, klirrender Schwerterschlag!
Bis Harald fiel und sein trotziges Heer erlag.

Herr Wilhelm steckte sein Banner aufs blutige Feld,
Inmitten der Toten spannt' er sein Gezelt,
Da saß er am Mahle, den goldnen Pokal in der Hand,
Auf dem Haupte die Königskrone von Engelland.

»Mein tapfrer Taillefer! komm, trink mir Bescheid!
Du hast mir viel gesungen in Lieb und in Leid,
Doch heut im Hastingsfelde dein Sang und dein Klang
Der tönet mir in den Ohren mein Leben lang.«




Ludwig Uhland

Biographie

Balladen und Gedichte
Abendwolken
Abreise
Am 18. Oktober 1816
Bertran de Born
Das alte, gute Recht
Das Glück von Edenhall
Das Schifflein
Das Schloß am Meere
Das versunkene Kloster
Der gute Kamerad
Der Königssohn
Der nächtliche Ritter
Der Schmied
Der Student
Der Ungenannten
Der wackere Schwabe
Der weiße Hirsch
Der Überfall im Wildbad
Des Knaben Berglied
Des Sängers Fluch
Die Abgeschiedenen
Die Geisterkelter
Die Geisterkelter
Die Kapelle
Die Malve
Die neue Muse
Die sanften Tage
Die Zufriedenen
Einkehr
Entschluß
Frühlingsglaube
Fräuleins Wache
Graf Eberstein
Graf Richard Ohnefurcht
Heimkehr
Hirsau
In ein Stammbuch
Inschrift
Lauf der Welt
Legende
Mailied
Nachruf
Neujahrswunsch 1817
Nächtlicher Himmel
Reisen
Ritter Paris
Romanze vom kleinen Däumling
Schwere Träume
Schäfers Sonntagslied
Seliger Tod
Sonnenwende
Taillefer
Tells Tod
Trinklied
Verborgenes Leid
Von den sieben Zechbrüdern
Wein und Brot
Wintermorgen
Württemberg
Impressum   Kontakt




Magento Freelancer aus Köln Balladen.de - Startseite