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Taillefer

Ludwig Uhland

Normannenherzog Wilhelm sprach einmal:
Wer singet in meinem Hof und in meinem Saal?
Wer singet vom Morgen bis in die spte Nacht,
So lieblich, da mir das Herz im Leibe lacht?

Das ist der Taillefer, der so gerne singt
Im Hofe, wann er das Rad am Bronnen schwingt,
Im Saale, wann er das Feuer schret und facht,
Wann er abends sich legt und wann er morgens erwacht.

Der Herzog sprach: Ich hab einen guten Knecht,
Den Taillefer, der dienet mir fromm und recht,
Er treibt mein Rad und schret mein Feuer gut,
Und singet so hell, das hhet mir den Mut.

Da sprach der Taillefer: Und wr ich frei,
Viel besser wollt ich dienen und singen dabei.
Wie wollt ich dienen dem Herzog hoch zu Pferd!
Wie wollt ich singen und klingen mit Schild und mit Schwert!

Nicht lange, so ritt der Taillefer ins Gefild
Auf einem hohen Pferde, mit Schwert und mit Schild.
Des Herzogs Schwester schaute vom Turm ins Feld,
Sie sprach: Dort reitet, bei Gott! ein stattlicher Held.

Und als er ritt vorber an Fruleins Turm,
Da sang er bald wie ein Lftlein, bald wie ein Sturm.
Sie sprach: Der singet, das ist eine herrliche Lust!
Es zittert der Turm und es zittert mein Herz in der Brust,

Der Herzog Wilhelm fuhr wohl ber das Meer,
Er fuhr nach Engelland mit gewaltigem Heer.
Er sprang vom Schiffe, da fiel er auf die Hand:
Hei! rief er ich fa und ergreife dich, Engelland!

Als nun das Normannenheer zum Sturme schritt,
Der edle Taillefer vor den Herzog ritt:
Manch Jhrlein hab ich gesungen und Feuer geschrt,
Manch Jhrlein gesungen und Schwert und Lanze gerhrt.

Und hab ich Euch gedient und gesungen zu Dank,
Zuerst als ein Knecht und dann als ein Ritter frank:
So lat mich das entgelten am heutigen Tag,
Vergnnet mir auf die Feinde den ersten Schlag!

Der Taillefer ritt vor allem Normannenheer,
Auf einem hohen Pferde, mit Schwert und mit Speer,
Er sang so herrlich, das klang ber Hastingsfeld,
Vom Roland sang er und manchem frommen Held.

Und als das Rolandslied wie ein Sturm erscholl,
Da wallete manch Panier, manch Herze schwoll,
Da brannten Ritter und Mannen von hohem Mut,
Der Taillefer sang und schrte das Feuer gut.

Dann sprengt' er hinein und fhrte den ersten Sto,
Davon ein englischer Ritter zur Erde scho,
Dann schwang er das Schwert und fhrte den ersten Schlag,
Davon ein englischer Ritter am Boden lag.

Normannen sahen's, die harrten nicht allzu lang,
Sie brachen herein mit Geschrei und mit Schilderklang.
Hei! sausende Pfeile, klirrender Schwerterschlag!
Bis Harald fiel und sein trotziges Heer erlag.

Herr Wilhelm steckte sein Banner aufs blutige Feld,
Inmitten der Toten spannt' er sein Gezelt,
Da sa er am Mahle, den goldnen Pokal in der Hand,
Auf dem Haupte die Knigskrone von Engelland.

Mein tapfrer Taillefer! komm, trink mir Bescheid!
Du hast mir viel gesungen in Lieb und in Leid,
Doch heut im Hastingsfelde dein Sang und dein Klang
Der tnet mir in den Ohren mein Leben lang.




Ludwig Uhland

Biographie

Balladen und Gedichte
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