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Tells Tod

Ludwig Uhland

Grn wird die Alpe werden, strzt die Lawin einmal;

Zu Berge ziehn die Herden, fuhr erst der Schnee zu Tal.

Euch stellt, ihr Alpenshne, mit jedem neuen Jahr

Des Eises Bruch vom Fhne der Kampf von Freiheit dar.

Da braust der wilde Schchen hervor aus seiner Schlucht,

Und Fels und Tanne brechen von seiner jhen Flucht.

Er hat den Steg begraben, der ob der Stube hing,

Hat weggesplt den Knaben, der auf dem Stege ging.

Und eben schritt ein andrer zur Brcke, da sie brach;

Nicht stutzt der greise Wandrer, wirft sich dem Knaben nach,

Fasst ihn mit Adlerschnelle, trgt ihn zum sichern Ort.

Das Kind entspringt der Welle; den Alten reisst sie fort.

Doch als nun ausgestossen die Flut den toten Laib,

Da stehn um ihn, ergossen in Jammer, Mann und Weib.

Als kracht in seinem Grunde des Rotstocks Felsgestell,

Erschallts aus einem Munde: Der Tell ist tot, der Tell!

Wr ich ein Sohn der Berge, ein Hirt am ewgen Schnee,

Wr ich ein kecker Ferge auf Uris grnem See,

Und trt in meinem Harme zum Tell, wo er verschied,

Des Toten Haupt im Arme, sprch ich mein Klagelied:

Da liegst du, eine Leiche, der aller Leben war;

Dir trieft noch um das bleiche Gesicht dein greises Haar.

Hier steht, den du gerettet, ein Kind, wie Milch und Blut;

Das Land, das du entkettet, steht rings in Alpenglut.

Die Kraft derselben Liebe, die du dem Knaben trugst,

Ward einst in dir zum Triebe, dass du den Zwingherrn schlugst.

Nie schlummernd, nie erschrocken, war Retten stets dein Brauch,

Wie in den braunen Locken, so in den grauen auch.

Wrst du noch jung gewesen, als du den Knaben fingst,

Und wrst du dann genesen, wie du nun untergingst,

Wir htten draus geschlossen auf knftger Taten Ruhm;

Doch schn ist nach dem grossen, das schlichte Heldentum.

Dir hat dein Ohr geklungen vom Lob, das man dir bot;

Doch ist zu ihm gedrungen ein schwacher Ruf der Not.

Der ist ein Held der Freien, der, wann der Sieg ihn krnzt,

Noch glht, sich dem zu weihen, was frommet und nicht glnzt.

Gesund bist du gekommen vom Werk des Zorns zurck;

Im hilfereichen, frommen, verliess dich erst dein Glck.

Der Himmel hat dein Leben nicht fr ein Volk begehrt;

Fr dieses Kind gegeben, war ihm dein Opfer wert.

Wo du den Vogt getroffen mit deinem sichern Stahl

Dort steht ein Bethaus offen, dem Strafgericht ein Mal!

Doch hier, wo du gestorben, dem Kind ein Heil zu sein,

Hast du dir nur erworben ein schmucklos Kreuz von Stein.

Weithin wird Lob gesungen, wie du dein Land befreit;

Von grosser Dichter Zungen vernimmts noch spte Zeit;

Doch steigt am Schchen nieder ein Hirt im Abendrot,

Dann hallt im Felstal wieder das Lied von deinem Tod.




Ludwig Uhland

Biographie

Balladen und Gedichte
Abendwolken
Abreise
Am 18. Oktober 1816
Bertran de Born
Das alte, gute Recht
Das Glck von Edenhall
Das Schifflein
Das Schlo am Meere
Das versunkene Kloster
Der gute Kamerad
Der Knigssohn
Der nchtliche Ritter
Der Schmied
Der Student
Der Ungenannten
Der wackere Schwabe
Der weie Hirsch
Der berfall im Wildbad
Des Knaben Berglied
Des Sngers Fluch
Die Abgeschiedenen
Die Geisterkelter
Die Geisterkelter
Die Kapelle
Die Malve
Die neue Muse
Die sanften Tage
Die Zufriedenen
Einkehr
Entschlu
Frhlingsglaube
Fruleins Wache
Graf Eberstein
Graf Richard Ohnefurcht
Heimkehr
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In ein Stammbuch
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Neujahrswunsch 1817
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