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Der Zeuge

Karl Kraus

Fluch, Kaiser, dir! Ich spre deine Hand,
an ihr ist Gift und Nacht und Vaterland!
Sie riecht nach Pest und allem Untergang.
Dein Blick ist Galgen und dein Bart der Strang!
Dein Lachen Lge und dein Hochmut Ha,
dein Zorn ist deiner Kleinheit berma,
der alle Grenze, alles Ma verrckt,
um gro zu sein, wenn er die Welt zerstckt.
Vom Rhein erschttert ward sie bis zum Ganges
durch einen Heldenspieler zweiten Ranges!
Der alten Welt warst du doch kein Erhalter,
gabst du ihr Plunder aus dem Mittelalter.
Verdet wurde ihre Phantasie
von einem ritterlichen Weltkommis!
Nahmst ihr das Blut aus ihren besten Adern
mit deinen Meer- und Luft- und Wortgeschwadern.
Nie wrde sie aus Dreck und Feuer geboren!
Mit deinem Gott hast du die Schlacht verloren!
Die offenbarte Welt, so aufgemacht,
von deinem Wahn um ihren Sinn gebracht,
so zugemacht, ist sie nur Fertigware,
mit der der Teufel zu der Hlle fahre!
Von Gottes Zorn und nicht von seinen Gnaden,
regierst du sie zu Rauch und Schwefelschwaden.
Rstzeug des Herrn! Wir werde ihn erst preisen,
wirft es dich endlich zu dem alten Eisen!
Komm her und sieh, wie sich ein Stern gebiert,
wenn man die Zeit mit Munition regiert!
La deinen Kanzler, deine Diplomaten
durch dieses Meer von Blut und Trnen waten!
Fluch, Kaiser, dir und Fluch auch deiner Brut,
hinreichend Blut, ertrnk sie in der Flut!
Ich sterbe, einer deutschen Mutter Sohn.
Doch zeug' ich gegen dich vor Gottes Thron!




Karl Kraus

Biographie

Balladen und Gedichte
"Zum ewigen Frieden" von Immanuel Kant!
(Aphorismen) 1915
(Aphorismen) Eros, Moral, Christentum
(Aphorismen) Kunst
(Aphorismen) Lnder und Leute
(Aphorismen) Nachts
(Aphorismen) Sprche und Widersprche
(Aphorismen) Zeit
(Aphorismen) Zuflle, Einflle, Stimmungen, Worte
An den Schatten der Annie Kalmar
Aphorismen
August Strindberg
Der Biberpelz
Der Festzug
Der Meldzettel
Der sterbende Soldat
Der Zeuge
Die Schuldigkeit
Eine neue Form der Banalitt
Fahrt ins Fextal
Fernes Licht
Heine und die Folgen
In diesem Land
Jugend
Lob der verkehrten Lebensweise
Man frage nich
Mensch und Nebenmensch
Mir san ja eh die reinen Lamperln
Nach dem Erdbeben
Nchtliche Stunde
Promesse
Sehnsucht
Sprachlehre
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