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Klage um klein Scherzelein

Ernst Moritz Arndt



Als ich jung war und waidlich,
Da hatt' ich ein Kind,
Unschuldig und maidlich
Und herzig gesinnt,
Klein Scherzelein hie es,
Das liebliche Kind,
Die Sorgen zerblies es,
Wie Wolken der Wind.

Um den Kopf blonde Lckchen,
Die uglein so hell,
So rosig die Bckchen,
Die Schritte so schnell,
Oft trug es auch Flgel
Und flatterte hin
ber Thler und Hgel
Mit frhlichem Sinn.

War der Maimond erschienen
In blumiger Zier,
Dann tanzt' es im Grnen
Den Reigen mit mir,
Dann lockte sein Kehlchen
Die Vglein herbei,
Die liebenden Seelchen
Im liebenden Mai.

War der Winter gekommen
Mit Eis und mit Schnee,
Das Herz schlug beklommen
Und that mir so weh
Mit lustigen Spielen
Vertrieb's mir die Zeit,
Ich konnte nicht fhlen
Wie's strmet und schneit.

Ach! wo bist du geblieben,
Du freundliches Kind?
Dein Sehnen, dein Lieben
Wo schlrft es der Wind?
Wohin weit entflogen,
Mir wehe zu thun?
Welche Wlder und Wogen
Umrauschen dich nun?

Komm, klein Scherzelein, wieder
Nur einmal noch komm!
Und mache mich wieder
So selig und fromm,
Wie in glcklichen Tagen,
Komm spiele mit mir!
Ich mu schier verzagen
So ferne von dir.

Komm klein Scherzelein wieder,
Du holdigstes Kind!
Bringe Blumen und Lieder
Und Lust, welche minnt
Komm mit Spielen und Kssen
Und Trumen der Nacht,
Die mancherlei wissen,
Was der Tag nicht gedacht.




Ernst Moritz Arndt

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