Balladen und Gedichte Songtexte und Volkslieder Wissen und Forschung Suche und Links
Autoren
Themen
Lnder

Arndt, Ernst Moritz
Arnim, Achim von
Brentano, Clemens
Browning, Robert
Busch, Wilhelm
Brger, Gottfried August
Chamisso, Adelbert von
Droste-Hlshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph von
Ernst, Otto
Fontane, Theodor
Gerhardt, Paul
Goethe, Johann Wolfgang von
Grillparzer, Franz
Hagedorn, Friedrich von
Hebbel, Friedrich
Heine, Heinrich
Herder, Johann Gottfried von
Hofmannsthal, Hugo von
Housman, A.E.
Hlty, Ludwig Heinrich Christoph
Keats, John
Keller, Gottfried
Kraus, Karl
Liliencron, Detlev von
Meyer, Conrad Ferdinand
Mnchhausen, Brries Frhr. von
Mrike, Eduard
Ringelnatz, Joachim
Schiller, Friedrich
Storm, Theodor
Uhland, Ludwig
Weckherlin, Georg Rodolf

Das Lied vom Chasot

Ernst Moritz Arndt



In Deutschland lebt' ein edler Graf,
Eine freie Stadt sein Vaterland,
Ein rechter Ritter, fromm und brav,
Seine Seele trug er in seiner Hand.
Die Stadt heit Lbeck mit stolzem Namen,
Der Graf heit Chasot von edlem Samen.

Dem freien reichsgebornen Mann
Gefiel die Schande des Reiches schlecht,
In seinen Adern Ehre rann,
Drum hate er durstig den Schelm und Knecht,
Ein Freund von redlichen Biederleuten
Kann er zum Recht nicht die Knechtschaft deuten.

Drum war er mit dem Degen risch,
Wo gegen die Welschen die Trommel klang:
Das machte Mut ihm und Seele frisch,
Das war ihm hchster Freudenklang,
Da mut' er hin ber Land und Wasser,
Der tapfre, khne Franzosenhasser.

Als nun die Post nach Deutschland schallt:
Der Kaiser von Ruland ziehet aus,
Dem Grafen das Herz in dem Leibe wallt,
Da kann er nicht sitzen still zu Haus,
Da mu er sein Blut und Leben wagen,
Er mu sich mit den Franzosen schlagen.

Durch Buben und Verrter schleicht
Viele hundert Meilen der Grafensohn
Hin, wo's dem Herzen lustig deucht,
Wo klinget des Kriegs Posaunenton,
Wo Alexander die Mnner rstet
Und mutige Russen nach Streit gelstet.

Bald braust auf sie wie ein wildes Meer
Der welschen Rotten gewaltige Flut,
Sie ziehen trotziglich daher
Und druen im prahlenden bermut:
Hieher! wer stehet vor unsern Heeren?
Wer mag uns die Herrschaft der Erde wehren?

Doch Gott im Himmel sah darein,
Und der Russen mchtige Kriegesfaust,
Wie Herbstwind schttelt das Laub im Hain,
So hat sie der Sturmwind der Schlacht zerzaust:
Sie sollten Raben und Wlfe fttern
In Ruland sollt' ihr Gebein verwittern.

Der edle Graf in mancher Schlacht,
In manchem blutigen Mnnerstrau
Sich gegen die Schelme lustig macht,
Er sieht sie zerstieben zu Staub und Graus,
Er sieht sie fliehen, er sieht sie fallen.
Das deucht ihm der lustigste Fall von allen.

Drauf reist er hin nach Petersburg
An Hoffnungen und an Freuden reich,
Eine Zierde der hohen Kaiserburg,
Ein stolzer Sprling aus deutschem Reich,
Dort soll er des Vaterlands heil'gen Waffen
Erlesene Scharen von Mnnern schaffen.

Schon hebt die deutsche Legion
Fr Freiheit und Ehre das Siegspanier,
Sie brennet gegen Schmach und Hohn
Und gegen Franzosen von Kriegsbegier,
Sie brennet von Sehnsucht der sen Stunde,
Wo Rache klinget von Mund zu Munde.

Sie schauet auf des Grafen Schwert
Und auf sein frommes und deutsches Herz,
Er dnket ihr vor allen wert
Voranzuspielen im Schlachtenscherz,
Voranzustreiten dem khnen Reihen
Als Held und Fhrer der edlen Freien.

Du edler Graf, wo ziehst du hin?
Wo ziehst du hin durch Winter und Schnee?
Auf Deutschland steht dir nur der Sinn,
Dir thun die armen Gefangnen weh,
Die armen Gefangnen, die die Franzosen
Haben in den Tod und das Elend gestoen.

Du edler Graf, wo ziehst du hin?
Wo ziehst du hin durch Winter und Schnee?
Auf Deutschland steht dir nur der Sinn,
Drum ziehst du nach Pleskow am Peipussee,
Da willst du die armen Gefangnen erlsen
Und waffnen und fhren gegen die Bsen.

O Pleskow, Stadt am Peipussee!
Wann hrt die Klage der Freien auf?
Wann saust nicht mehr ein dumpfes Weh
In deiner Wellen chzendem Lauf?
In dir soll der Bravste von allen Braven,
In dir soll der edle Graf Chasot schlafen.

Der Ritter, der die Kranken pflegt
Und der Verwundeten Schmerz verbind't,
Wird in die dunkle Gruft gelegt,
Schon spielt um seinen Hgel der Wind,
Die irdische Sonne wird nimmer ihm scheinen,
Doch werden ihn ewig die Freien beweinen.

Denn einen freiern deutschen Mann
Als Chasot war der viel edle Graf,
Das Deutschland nie gebren kann,
An Leib und Seele so fest und brav,
Ein Kind in Liebe, ein Held in Treuen,
Ein Herz wie die Herzen der edlen Leuen.

Drum setzen wir diesen Leichenstein,
Drum singen wir dieses Trauerlied.
So lange grnt eine Eich' im Hain,
So lang' eine Blume auf Auen blht,
Eine Liebe noch glhet in deutschen Seelen,
Sollen Krnze und Lieder ihm nimmer fehlen.




Ernst Moritz Arndt

Biographie

Balladen und Gedichte
Abendlied
Abschied von der Welt
Abschiedslied
Als ich ein Kind war
Als Thiers die Welschen aufgerhrt hatte
Alterswehmut
An die deutschen Frsten
An die Freunde Friedrich Dahlmann und Friedrich Welcker
An die Nachtigall
An die Wehmut
An Lili
Aus Frankfurt weg!
Ballade
Bundeslied
Danklied
Das Feuerlied
Das Gesprch
Das Grab
Das Lied vom Chasot
Das Lied vom Drnberg
Das Lied vom Feldmarschall
Das Lied vom Gneisenau
Das Lied vom Rhein an Niklas Becker
Das Lied vom Schill
Das Lied vom Siegerich
Das Lied vom Stein
Das Los des Schnen
Dem Probst Pritzbuer zu Garz in Rgen
Der alte Baum und ich
Der Fels des Heils
Der Freudenklang
Der Gott, der Eisen wachsen lie
Der grne Wald
Der Stein im Rhein
Der tapfere Knig von Preuen
Des deutschen Knaben Robert Schwur
Des Deutschen Vaterland
Des Knaben Abendgebet
Des Knaben Segen
Des Lilienmdchens Wiegenlied
Des Reisenden Abendlied
Des Zweiflers Unruh'
Deutscher Trost
Deutsches Kriegslied
Die Ausfahrt zur Heimholung des deutschen Kaisers
Die deutschen auswandernden Krieger
Die Feier des 18. des Weinmonds 1814
Die Leipziger Schlacht
Die Nachtrheinfahrt
Die Rheinfahrt
Drei Trostlieder aus dem Sommer von 1819
Einladung zum Tanz
Elegie
Erinnerung an Psychidion
Ermannung
Ermunterung
Freude
Frischauf
Frhling
Frhling im Alter
Frhlingslied
Frhlingslied an die Frmmler
Gebet an die Liebe
Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ
Gottes Gericht
Grablied
Gru der Heimat
Hahnenkrei des deutschen Morgens
Harald Schnhaar
Heimweh nach Rgen
Herzenssaitenspiel
Ihr Knige, gebt acht!
Karl Vollertsen, des Schleswigers, Grab
Klage um Auerswald und Lichnowsky
Klage um drei junge Helden
Klage um klein Scherzelein
Klage um Wilibald
Klinglieder
La klingen!
Leben
Lebenslied
Lebenstraum
Lerchengesang
Liebesnhe
Lied der Rache
Lieder aus dem Katechismus fr den deutschen Wehrmann
Lob des Eisens
Lug ins Leben
Lust des freien Geistes
Marsch!
Mein Blumenknig
Mein Lichtlein
Meine Grablegung
Mimerung unter deutschen Eichen
Mut des Verderbens
Rausche durch den Wald
Rechtes Geistesma
Ruf zu Gott
Scharnhorst der Ehrenbote
Schlachtgesang
Trinklied
Trost
Trost in Christo
Vaterlandslied
Verse zur Begleitung des Schillschen
Vorwrts
Waldgru
Warum ruf' ich?
Was Goldringlein sagen soll
Wer ist ein Mann?
Worte, gesprochen an Schills Grabe in Stralsund
Zorn und Liebe
Impressum   Kontakt




Magento Freelancer aus Köln Balladen.de - Startseite