Balladen
und Gedichte
Songtexte
und Volkslieder
Wissen
und Forschung
Termine
und Aktionen
Umgedichtete
und neue Balladen
Suche
und Links
Forum
Autoren
Themen
Länder

Arndt, Ernst Moritz
Arnim, Achim von
Brentano, Clemens
Browning, Robert
Busch, Wilhelm
Bürger, Gottfried August
Chamisso, Adelbert von
Droste-Hülshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph von
Ernst, Otto
Fontane, Theodor
Gerhardt, Paul
Goethe, Johann Wolfgang von
Grillparzer, Franz
Hagedorn, Friedrich von
Hebbel, Friedrich
Heine, Heinrich
Herder, Johann Gottfried von
Hofmannsthal, Hugo von
Housman, A.E.
Hölty, Ludwig Heinrich Christoph
Keats, John
Keller, Gottfried
Kraus, Karl
Liliencron, Detlev von
Meyer, Conrad Ferdinand
Münchhausen, Börries Frhr. von
Mörike, Eduard
Ringelnatz, Joachim
Schiller, Friedrich
Storm, Theodor
Uhland, Ludwig
Weckherlin, Georg Rodolf

Die Rheinfahrt

Ernst Moritz Arndt

Wir sind an Bord – Engländer, Amerikaner,
Franzosen, Russen – alles will zum Rhein;
Doch sollten Pelasger, Danaer und Trojaner,
Die ältsten Trümmerhäusler mit uns sein,
Der irdischen Verschollenheiten Mahner,
Wie Herrlichstes zuletzt als Stein und Bein,
Worüber einsam Krähn und Raben fliegen
Und Käuze wimmern, muß im Staube liegen.

Doch du, o Rhein, bleibst frisch in deiner Schöne,
Du brausest jugendfrisch durch Felsgestein,
Nie schwinden deiner Sagen Liedertöne
Um Drachenfels, Rheineck und Hammerstein.
Was kümmert das Vergänglichkeitsgestöhne
Unsterbliche? Was dich, ob Stein und Bein
Dereinst als Staub in alle Winde fliegen,
Solange deine Quellen nicht versiegen?

Und wir? Zerbröckelt uns an Trümmersteinen
Und an geborstnen Türmen heut der Mut?
Erfrischt uns an der Vorzeit blassen Scheinen
Des Lebens junge, helle Sonnenglut?
Nein wahrlich nicht zum Stöhnen, Wimmern, Weinen
Schnellt heut' der Dampf uns siegreich durch die Flut, –
Heißt er des Tages Atem, heißt sein Kämpfer,
So werd' er heute trüber Dämpfe Dämpfer.

Wie? Auf dem Strom der Katten und der Franken,
Wo nichts als Stolz und Ruhm und Großheit winkt,
Da webten wir der Trümmer Epheuranken
Um das, was stets als Staub zum Staube sinkt?
Da spönnen wir Gespenster aus Gedanken,
Wodurch das Schwert des Vaters Teuto blinkt,
Worin die Karle, Friedriche, Ottonen
Zur Höhe weisen, wo die Höchsten thronen?

Frischauf! auf zum Lebendigen von dem Toten!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein!
Von bleicher Schatten Vorzeit zu den roten
Gebilden, rot im Jugendsonnenschein!
Ha! wird nicht Jugendglanz dem Blick geboten?
Der frische Glanz vom Ehrenbreitenstein?
Nein weg von diesem mächtigen Felsgesteine!
Weg in die kleine Lahn vom mächtigen Rheine!

Auf in die Lahn! vom Tode hin zum Leben!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein,
Nach Nassau auf, wo heilige Geister schweben,
Die deutschen Geister vom lebendigen Stein!
Mit aller deiner Schöne, deinen Reben
Und Wassern hast du Einen, stolzer Rhein,
Nur Einen, der dem Manne sonder Gleichen,
Dem Sohn der kleinen Lahn sich könnte gleichen?

Wir stehn in seinem Thal, auf seinen Bergen,
Wir rufen: Sprich das Wort erhabner Geist,
Das Wort des Fluchs den Schelmen und den Schergen,
Wodurch die Welt um deutschen Raub sich reißt, –
Wodurch man deutsche Ehre, wie aus Särgen
Den Leichenmoder durcheinanderschmeißt. –
Sprich, Hoher! – Du verstandest zu zerschmettern,
Du Donn'rer, rede heut' aus Donnerwettern!

Komm nieder, laß es schallen, hoher Sprecher!
Von deinen Sternen komm herab ins Thal!
Du Ehrenzünder, komm, du Schandebrecher!
Komm mit dem allerschwersten Donnerstrahl!
Des Vaterlandes Mahner, Warner, Rächer,
Auf deutscher Erde rede noch einmal:
Wo Kleinste um das Größte sich befehden,
Da sprich zu uns in laut'sten Himmelsreden!

Wohin? Zwar sind die Donner Gottessprüche,
Vielleicht auch Geistersprüche – doch wohin?
Wir flehen aus dem Jammer unsrer Brüche
Und Wunden, wissend kaum, woher, wohin.
Der Mann des Zorns war Stein, doch nicht der Flüche.
Trug in der stärksten Brust den frommsten Sinn,
Der Mann, im Glauben mächtig und im Beten,
Vor Könige stolz und still vor Gott zu treten.

Drum könnt ihr beten, betet hier um Segen,
Um Segen bittet den erhabnen Geist,
Der über unserm Weh auf Sternenwegen
Mit allen guten Geistern selig kreist,
Der allen Geistern, die sich unten regen
In tapfrer Kraft die deutsche Losung weist:
Seid stark im Lieben, werdet schwach im Hassen!
So wird Gott seine Deutschen nicht verlassen.




Ernst Moritz Arndt

Biographie

Balladen und Gedichte
Abendlied
Abschied von der Welt
Abschiedslied
Als ich ein Kind war
Als Thiers die Welschen aufgerührt hatte
Alterswehmut
An die deutschen Fürsten
An die Freunde Friedrich Dahlmann und Friedrich Welcker
An die Nachtigall
An die Wehmut
An Lili
Aus Frankfurt weg!
Ballade
Bundeslied
Danklied
Das Feuerlied
Das Gespräch
Das Grab
Das Lied vom Chasot
Das Lied vom Dörnberg
Das Lied vom Feldmarschall
Das Lied vom Gneisenau
Das Lied vom Rhein an Niklas Becker
Das Lied vom Schill
Das Lied vom Siegerich
Das Lied vom Stein
Das Los des Schönen
Dem Probst Pritzbuer zu Garz in Rügen
Der alte Baum und ich
Der Fels des Heils
Der Freudenklang
Der Gott, der Eisen wachsen ließ
Der grüne Wald
Der Stein im Rhein
Der tapfere König von Preußen
Des deutschen Knaben Robert Schwur
Des Deutschen Vaterland
Des Knaben Abendgebet
Des Knaben Segen
Des Lilienmädchens Wiegenlied
Des Reisenden Abendlied
Des Zweiflers Unruh'
Deutscher Trost
Deutsches Kriegslied
Die Ausfahrt zur Heimholung des deutschen Kaisers
Die deutschen auswandernden Krieger
Die Feier des 18. des Weinmonds 1814
Die Leipziger Schlacht
Die Nachtrheinfahrt
Die Rheinfahrt
Drei Trostlieder aus dem Sommer von 1819
Einladung zum Tanz
Elegie
Erinnerung an Psychidion
Ermannung
Ermunterung
Freude
Frischauf
Frühling
Frühling im Alter
Frühlingslied
Frühlingslied an die Frömmler
Gebet an die Liebe
Gebet eines kleinen Knaben an den heiligen Christ
Gottes Gericht
Grablied
Gruß der Heimat
Hahnenkrei des deutschen Morgens
Harald Schönhaar
Heimweh nach Rügen
Herzenssaitenspiel
Ihr Könige, gebt acht!
Karl Vollertsen, des Schleswigers, Grab
Klage um Auerswald und Lichnowsky
Klage um drei junge Helden
Klage um klein Scherzelein
Klage um Wilibald
Klinglieder
Laß klingen!
Leben
Lebenslied
Lebenstraum
Lerchengesang
Liebesnähe
Lied der Rache
Lieder aus dem Katechismus für den deutschen Wehrmann
Lob des Eisens
Lug ins Leben
Lust des freien Geistes
Marsch!
Mein Blumenkönig
Mein Lichtlein
Meine Grablegung
Mimerung unter deutschen Eichen
Mut des Verderbens
Rausche durch den Wald
Rechtes Geistesmaß
Ruf zu Gott
Scharnhorst der Ehrenbote
Schlachtgesang
Trinklied
Trost
Trost in Christo
Vaterlandslied
Verse zur Begleitung des Schillschen
Vorwärts
Waldgruß
Warum ruf' ich?
Was Goldringlein sagen soll
Wer ist ein Mann?
Worte, gesprochen an Schills Grabe in Stralsund
Zorn und Liebe
Impressum   Kontakt




Magento Freelancer aus Köln Balladen.de - Startseite