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Die Rheinfahrt

Ernst Moritz Arndt

Wir sind an Bord Englnder, Amerikaner,
Franzosen, Russen alles will zum Rhein;
Doch sollten Pelasger, Danaer und Trojaner,
Die ltsten Trmmerhusler mit uns sein,
Der irdischen Verschollenheiten Mahner,
Wie Herrlichstes zuletzt als Stein und Bein,
Worber einsam Krhn und Raben fliegen
Und Kuze wimmern, mu im Staube liegen.

Doch du, o Rhein, bleibst frisch in deiner Schne,
Du brausest jugendfrisch durch Felsgestein,
Nie schwinden deiner Sagen Liedertne
Um Drachenfels, Rheineck und Hammerstein.
Was kmmert das Vergnglichkeitsgesthne
Unsterbliche? Was dich, ob Stein und Bein
Dereinst als Staub in alle Winde fliegen,
Solange deine Quellen nicht versiegen?

Und wir? Zerbrckelt uns an Trmmersteinen
Und an geborstnen Trmen heut der Mut?
Erfrischt uns an der Vorzeit blassen Scheinen
Des Lebens junge, helle Sonnenglut?
Nein wahrlich nicht zum Sthnen, Wimmern, Weinen
Schnellt heut' der Dampf uns siegreich durch die Flut,
Heit er des Tages Atem, heit sein Kmpfer,
So werd' er heute trber Dmpfe Dmpfer.

Wie? Auf dem Strom der Katten und der Franken,
Wo nichts als Stolz und Ruhm und Groheit winkt,
Da webten wir der Trmmer Epheuranken
Um das, was stets als Staub zum Staube sinkt?
Da spnnen wir Gespenster aus Gedanken,
Wodurch das Schwert des Vaters Teuto blinkt,
Worin die Karle, Friedriche, Ottonen
Zur Hhe weisen, wo die Hchsten thronen?

Frischauf! auf zum Lebendigen von dem Toten!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein!
Von bleicher Schatten Vorzeit zu den roten
Gebilden, rot im Jugendsonnenschein!
Ha! wird nicht Jugendglanz dem Blick geboten?
Der frische Glanz vom Ehrenbreitenstein?
Nein weg von diesem mchtigen Felsgesteine!
Weg in die kleine Lahn vom mchtigen Rheine!

Auf in die Lahn! vom Tode hin zum Leben!
Von toten Steinen zum lebendigen Stein,
Nach Nassau auf, wo heilige Geister schweben,
Die deutschen Geister vom lebendigen Stein!
Mit aller deiner Schne, deinen Reben
Und Wassern hast du Einen, stolzer Rhein,
Nur Einen, der dem Manne sonder Gleichen,
Dem Sohn der kleinen Lahn sich knnte gleichen?

Wir stehn in seinem Thal, auf seinen Bergen,
Wir rufen: Sprich das Wort erhabner Geist,
Das Wort des Fluchs den Schelmen und den Schergen,
Wodurch die Welt um deutschen Raub sich reit,
Wodurch man deutsche Ehre, wie aus Srgen
Den Leichenmoder durcheinanderschmeit.
Sprich, Hoher! Du verstandest zu zerschmettern,
Du Donn'rer, rede heut' aus Donnerwettern!

Komm nieder, la es schallen, hoher Sprecher!
Von deinen Sternen komm herab ins Thal!
Du Ehrenznder, komm, du Schandebrecher!
Komm mit dem allerschwersten Donnerstrahl!
Des Vaterlandes Mahner, Warner, Rcher,
Auf deutscher Erde rede noch einmal:
Wo Kleinste um das Grte sich befehden,
Da sprich zu uns in laut'sten Himmelsreden!

Wohin? Zwar sind die Donner Gottessprche,
Vielleicht auch Geistersprche doch wohin?
Wir flehen aus dem Jammer unsrer Brche
Und Wunden, wissend kaum, woher, wohin.
Der Mann des Zorns war Stein, doch nicht der Flche.
Trug in der strksten Brust den frommsten Sinn,
Der Mann, im Glauben mchtig und im Beten,
Vor Knige stolz und still vor Gott zu treten.

Drum knnt ihr beten, betet hier um Segen,
Um Segen bittet den erhabnen Geist,
Der ber unserm Weh auf Sternenwegen
Mit allen guten Geistern selig kreist,
Der allen Geistern, die sich unten regen
In tapfrer Kraft die deutsche Losung weist:
Seid stark im Lieben, werdet schwach im Hassen!
So wird Gott seine Deutschen nicht verlassen.




Ernst Moritz Arndt

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