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Klage um drei junge Helden

Ernst Moritz Arndt



Ich mag wohl traurig klagen,
Gar mancher klagt mit mir:
Drei Helden sind erschlagen
In grner Jugend Zier:
Es waren drei junge Reiter,
Sie zogen so frhlich hinaus,
Sie zogen gar balde weiter
Zu Gott in das himmlische Haus.

In Mansfelds edlen Bergen
Weht edle Freiheitslust,
Da kriecht es nicht von Zwergen,
Da lgt kein Schelm und Schuft,
Da wchst das freie Eisen,
Da wchst der freudige Mut,
Und alle, die Mnner heien,
Sind reisig und tapfer und gut.

In Mansfeld war geboren 1)
Das fromme, deutsche Kind,
Der Freund, den wir verloren,
Wie wenig Freunde sind,
Der Eckardt, der Vielgetreue,
Dem Gott und das Vaterland rief,
Nun schlummert der junge Leue
Im Grabe so still und so tief.

Auf Leipzigs grnen Felden
O Leipzig, hoher Klang!
Da traf's den jungen Helden,
Da er vom Rosse sank.
Das war ja sein frommes Lieben
Bei Tage und bei Nacht,
Das hatt' ihn herausgetrieben
In den Tod, in die mordische Schlacht.

Wohl dir! du hast's errungen
Mit deines Blutes Born,
Die Schande ward bezwungen
Vom edlen Freiheitszorn;
Doch mssen wir andern weinen
Und klagen im bittern Schmerz:
So lange die Sterne scheinen,
Schlug nimmer ein treueres Herz.

Es thront am Elbestrande
Die stolze Magdeburg,
Ihr Ruhm klang durch die Lande,
Ihr Unglck auch hindurch,
Als Tilly dem wilden Feuer
Einst sie zu verzehren gebot;
Da trug sie den Witwenschleier,
Denn ach! ihre Schne war tot.

Sie mag ihn wieder nehmen,
Ihr starb ihr bester Sohn,
Er ging, ein groer Schemen
Hinauf zu Gottes Thron,
Da hieen den Schnen, Frommen,
Der kam aus dem heiligen Streit,
Die Englein alle willkommen
Zur ewigen himmlischen Freud'.

Wohl viele sind gepriesen
Im groen deutschen Land,
Doch dich, mein frommer Friesen 2)
Hat Gott allein gekannt;
Was blhend im reichen Herzen
Die Jugend so lieblich verschlo,
Ist jeglichem Laut der Schmerzen,
Ist jeglichem Lobe zu gro.

War je ein Ritter edel,
Du warst es tausendmal,
Vom Fue bis zum Schdel
Ein lichter Schnheitsstrahl;
Mit khnem und stolzem Sinne
Hast du nach der Freiheit geschaut,
Das Vaterland war deine Minne,
Es war dir Geliebte und Braut.

Du hast die Braut gewonnen
Im ritterlichen Streit,
Dein Herzblut ist verronnen
Fr die viel edle Maid;
In Welschland von grimmen Bauern
Empfingst du den tdlichen Streich,
Drob mssen die Jungfraun trauern,
Die Blume der Schnheit ist bleich.

Hoch im Cheruskerlande
Da steht ein altes Schlo
Auf grner Bergeshalde,
Wovon mein Stolberg spro;
Es sandte herrliche Boten
Schon aus in grauester Zeit,
Die klagten bei hohen Toten,
Gefallen im Vaterlandsstreit.

Davon lebt auch noch heuer
Wohl mancher Name wert:
Der Vater schwingt die Leier,
Der Sohn, der schwingt das Schwert; 3)
Wie jener es vorgesungen,
So machte ihm dieser es nach:
Was frhe dem Knaben geklungen,
Das bringt der Jngling an Tag.

Es scholl die Kriegsdrommete
Des welschen Aufruhrs neu,
Sie klang wie Hochzeitsflte
Dem Grafen stolz und frei,
Da lie er sein Hengstlein zumen,
Da hngt er den Sbel frisch ein
Und sprengte mit heldlichen Trumen
Gar lustig wohl ber den Rhein.

Sein Traum ist nun erfllet
Von deutscher Herrlichkeit,
Sein Durst ist nun gestillet
Nach edlem deutschen Streit;
Er ritt mit den tapfern Reitern
Zum Kampfe nach Brabant hinab,
Da schuf er den Blumen und Krutern
Ein rotes blutiges Grab.

Was Lenz und Sonne schufen,
Im bunten Rosenmai,
Das stampften Rosseshufen
Im Junius inzwei;
Auch lag in der Jugend Schne
Mancher Jngling die Felder entlang,
Das Wehe der Klagetne
Von Mttern und Bruten erklang.

Auf Brabants grner Aue,
Sie heiet Sankt Amand,
Da troff vom roten Taue
Das Eisen mancher Hand,
Mit Rotten aus Welschland trafen
Die preuischen Reisigen dort,
Da holte der Himmel den Grafen,
Da ri eine Kugel ihn fort.

Drum mu ich traurig klagen,
Wohl mancher klagt mit mir,
Drei Helden sind erschlagen
In grner Jugend Zier,
Es waren drei holde Knaben,
Sie waren so schn und so gut,
Frs liebe Vaterland haben
Sie frhlich vergossen ihr Blut.

Schlaft still und fromm in Treue
Bis an den jngsten Tag,
Wo sich ein Morgen neue
Euch wieder rten mag!
Es blhet um euren Frieden
Gedchtnis so golden schn:
Im Siege ward euch beschieden
Frs Vaterland hinnen zu gehn.




Ernst Moritz Arndt

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