Balladen
und Gedichte
Songtexte
und Volkslieder
Wissen
und Forschung
Termine
und Aktionen
Umgedichtete
und neue Balladen
Suche
und Links
Forum
Autoren
Themen
Länder

Arndt, Ernst Moritz
Arnim, Achim von
Brentano, Clemens
Browning, Robert
Busch, Wilhelm
Bürger, Gottfried August
Chamisso, Adelbert von
Droste-Hülshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph von
Ernst, Otto
Fontane, Theodor
Gerhardt, Paul
Goethe, Johann Wolfgang von
Grillparzer, Franz
Hagedorn, Friedrich von
Hebbel, Friedrich
Heine, Heinrich
Herder, Johann Gottfried von
Hofmannsthal, Hugo von
Housman, A.E.
Hölty, Ludwig Heinrich Christoph
Keats, John
Keller, Gottfried
Kraus, Karl
Liliencron, Detlev von
Meyer, Conrad Ferdinand
Münchhausen, Börries Frhr. von
Mörike, Eduard
Ringelnatz, Joachim
Schiller, Friedrich
Storm, Theodor
Uhland, Ludwig
Weckherlin, Georg Rodolf

Kleine Geschichte

Detlev von Liliencron

Frühsommer wars, am Nachmittag.
Der Weißdorn stand in Blüte.
Ich ging allein durch Feld und Hag
Mit sehnendem Gemüte.

Es trieb mich in den Tag hinein
Ein zärtliches Verlangen
Nach dunkler Laube Dämmerschein
Und weichen Mädchenwangen.

Ich fand ein Wirtshaus, alt, bestroht,
Umringt von Baumgardinen.
Die alte Frau am Eingang bot
Gebäck und Apfelsinen.

Im Garten: Schaukeln, Karoussel,
Und Zelte, übersonnte.
Ein Scheibenstand, wo man als Tell
Den Apfel schießen konnte.

Den Affen zeigt Neapels Sohn,
Die Kegelkugeln rollen.
Dort steigt ein roter Luftballon,
Um den die Kinder tollen.

Musik, Gelächter, Hopsasa,
Wo bleibt das hübsche Mädchen.
Da plötzlich in dem Tralala
Ein allerliebstes Käthchen.

Das war ein gar zu liebes Ding,
Goldregenüberbogen.
Just kam ein kleiner Schmetterling
Dicht ihr vorbeigeflogen.

Ich stutzte überraschungsfroh,
Schaut' ihr in Auges Tiefe.
Wenn auch ihr Blick mich immer floh,
Die Augen waren Briefe:

"Geh' langsam durch den Garten hier,
Auf buntbelebten Wegen.
Wir treffen uns, ich komme dir
Von ungefähr entgegen."

So wandr' ich denn, und wie der Dieb
Schiel' ich in Näh' und Weite,
Ob bei der Mutter sie verblieb,
Ob sie mir an der Seite.

Indessen steht sie neben mir -
Ich kann nicht Worte finden.
Ein zwei, drei Zoll lang Fädchen schier
Könnt' uns zusammenbinden.

Im Saale trommelts, quikt und quackt
Der Geiger und der Pfeifer.
Wir tanzen bald in regem Takt
Den alten deutschen Schleifer.

Ich drücke sanft die kleine Hand,
Sie drückt die Hand mir wieder.
Wo dann den Weg mit ihr ich fand,
Da leuchtete der Flieder.

Bleib hier, bleib hier, bis Tageslicht
Und letztes Rot verblassen.
"Ach, Liebster, länger darf ich nicht
Die Mutter warten lassen."

Bleib hier, ich zeige dir den Stern,
Wo einst wir uns gesehen.
Sieht er uns hier vom Himmel fern,
Dann bleibt er grüßend stehen.

"Laß mich, Herzallerliebster mein,
Die Mutter sucht im Garten".
So schleiche dir ich hinterdrein,
Und will im Dunkel warten.

Wenn alles schwarz und still im Haus,
Dann wart' ich in der Laube.
Wenn alles still, dann komm heraus,
Du meine weiße Taube.

Es klingt die Thür, und gleich darauf
Huscht sie zu mir hernieder,
"Pst, nicht so stürmisch, hör' doch auf,
Du weckst die Mutter wieder."

Von tausend Welten überdacht,
Die ruhig weiter gehen.
Es zog ein Stern um Mitternacht,
Und grüßend blieb er stehen.




Detlev von Liliencron

Biographie

Balladen und Gedichte
Am Strande
Ballade in g-Moll
Ballade in U-Dur
Das Kind mit dem Gravensteiner
Der Blitzzug
Der Handkuß
Der Hunger und die Liebe
Der Maibaum
Der Teufel in der Not
Die Macht der Musik
Die Musik kommt
Ein Bauerngrab
Einen Sommer lang
Einer Toten
Festnacht und Frühgang
Frühling und Schicksal
Für und für
Heidebilder
Herbst
Ich liebe dich
Kleine Geschichte
Meiner Mutter
Märztag
Pidder Lüng
Schöne Junitage
Tod in Ähren
Trutz, blanke Hans
Wer weiß wo
Winternacht
Impressum   Kontakt




Magento Freelancer aus Köln Balladen.de - Startseite