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Heidebilder

Detlev von Liliencron

Tiefeinsamkeit spannt weit die schnen Flgel,
Weit ber stille Felder aus.
Wie ferne Ksten grenzen graue Hgel,
Sie schtzen vor dem Menschengraus.

Im Frhling rauscht in mitternchtiger Stunde
Die Wildgans hoch in raschem Flug.
Das alte Gaukelspiel: in weiter Runde
Hr ich Gesang im Wolkenzug.

Verschlafen sinkt der Mond in schwarze Grnde,
Beglnzt noch einmal Schilf und Rohr.
Gelangweilt ob so mancher holden Snde,
Verlt er Garten, Wald und Moor.
Die Mittagssonne brtet auf der Heide,
Im Sden droht ein schwarzer Ring.
Verdurstet hngt das magere Getreide,
Behaglich treibt ein Schmetterling.

Ermattet ruhn der Hirt und seine Schafe,
Die Ente trumt im Binsenkraut,
Die Ringelnatter sonnt in trgem Schlafe
Unregbar ihre Tigerhaut.

Im Zickzack zuckt ein Blitz, und Wasserfluten
Entstrzen gierig feuchtem Zelt.
Es jauchzt der Sturm und peitscht mit seinen Ruten
Erlsend meine Heidewelt.
In Herbstestagen bricht mit starkem Flgel
Der Reiher durch den Nebelduft.
Wie still es ist! Kaum hr' ich um den Hgel
Noch einen Laut in weiter Luft:

Auf eines Birkenstmmchens schwanker Krone
Ruht sich der Wanderfalke aus;
Doch schlft er nicht, von seinem leichten Throne
ugt er durchdringend scharf hinaus.

Der alte Bauer mit verhaltnem Schritte
Schleicht neben seinem Wagen Torf.
Und holpernd, stolpernd schleppt mit lahmem Tritte
Der alte Schimmel ihn ins Dorf.
Die Sonne leiht dem Schnee das Prachtgeschmeide;
Doch ach! wie kurz ist Schein und Licht.
Ein Nebel tropft, und traurig zieht im Leide
Die Landschaft ihren Schleier dicht.

Ein Hslein nur fhlt noch des Lebens Wrme,
Am Weidenstumpfe hockt es bang.
Doch kreischen hungrig schon die Rabenschwrme
Und hacken auf den sichern Fang.

Bis auf den schwarzen Schlammgrund sind gefroren
Die Wasserlcher und der See.
Zuweilen geht ein Wimmern, wie verloren,
Dann stirbt im toten Wald ein Reh.
Tiefeinsamkeit, es schlingt um deine Pforte
Die Erika das rote Band.
Von Menschen leer, was braucht es noch der Worte,
Sei mir gegrt, du stilles Land.




Detlev von Liliencron

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