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Der Teufel in der Not

Detlev von Liliencron

Ein Ritter aus dem Stegreifbund,
Der emsig seine Bauern schund,
Der mute was erleben.
Wie das so kam und wie's geschah,
Erzhlte mir die Gromama,
Und die kann Mrchen weben.

Der Ritter hatte einen Wald,
Von sem Vogelgesang durchschallt,
Drin standen viele Eichen.
Die eine, umfangreich wie nie,
Sechs Mnner kaum umspannten sie,
Fand nirgends ihresgleichen.

Einst sprach der Junker voller Hohn
Zu einem Ktner: Komm, mein Sohn,
Begleit mich in den Hagen.
Siehst du die alte Eiche hier?
Die fllst du in zwei Stunden mir,
Sonst soll der Block dich plagen.

Der Bauer winselt und beschwrt
Vor seinem Herrn, von Angst betrt,
Das knn er niemals zwingen.
Doch der sagt weiter ihm kein Wort,
Dreht ihm den Rcken und geht fort:
Es wird ihm schon gelingen.

Da steht der rmste nun allein.
Wer steht vermummt im Sonnenschein?
Ist's einer von den Seinen?
Du alter Knecht, was willst du hier?
Den Baum zu schlagen helf ich dir,
Gehre zu den Deinen.

Ein Glanz wie Blitz, die Eiche schwankt,
Die Krone kracht, die Wurzel wankt,
Nun liegt sie starr im Staube.
Ein Wagen kommt, drei Rappen vor:
Jetzt fahren wir durchs Gartentor
Dem Grafen vor die Laube.

Die Klepper keuchen durch den Kot,
Die Peitsche knallt, die Peitsche droht,
Die Peitschenhiebe sitzen.
Und unbarmherzig trifft im Hag
Wie Hagelwetter Schlag auf Schlag,
Die magern Gule schwitzen.

Die Zgel hlt der alte Knecht
In seiner Linken fahrgerecht,
Die Peitschenhiebe sausen.
Aus seinen Fingern, fort im Trott,
Spritzt Funk auf Funke, straf mich Gott,
Den Ktner packt das Grausen.

Der Graf, als er den Zug gewahrt,
Fhrt sich verdutzt durch Haar und Bart:
Das ist ja meine Eiche!
Heda, wer ist der andre Mann?
Woher die Pferde, das Gespann?
Was sind mir das fr Streiche?

Da schnarrt der alte Fuhrmann plump:
Du Leuteschinder, Lauselump,
Sieh dir mal an die Kracken:
Dein Vater, Grovater sind zwei,
Dein Urgrovater, das macht drei,
Die kannten auch das Placken.

Ich bin der Teufel, schbiger Schuft,
Der gern dich in die Hlle ruft,
Da sollst du nicht verfrieren.
Nimm dich in acht, du Hundesohn,
Und denk an mich und meinen Thron,
Sonst fahr ich bald mit Vieren!




Detlev von Liliencron

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