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Adelstan und Röschen

Ludwig Heinrich Christoph Hölty

Ebentuer von einem Ritter, der sich in ein Mädchen verliebt,
und wie sich der Ritter umbrachte

Ein Mann mit einem Ordensband,
Der Ritter Hardiknut,
Verließ die Stadt, und kam aufs Land,
Wie oft der Städter tut.
Von Geigern und Kastraten fern,
Und vom Redoutentanz,
Vertauscht' er seinen Ordensstern
Mit einem Schäferkranz.

Der Schoß der Au, der Wiesenklee
Verlieh ihm süßre Rast,
Als Himmelbett und Kanapee
Im fürstlichen Palast.
Er irrte täglich durch den Hain,
Mit einer Brust voll Ruh,
Und sah, im Blumenmond, dem Reihn
Der Schäferinnen zu.

Stracks war sein Herz, als er im Mai
Hier Röschen sah, dahin,
Er liebte bis zur Raserei
Die holde Schäferin.
Sie wurden drauf gar bald vertraut.
Was Wunder doch! Er war
Ein Mann von Welt, und wohlgebaut,
Und Röschen achtzehn Jahr.

Sie gab, durch manchen Tränenguß
Erweichet, ihm Gehör.
Zuerst bekam er einen Kuß,
Zuletzt noch etwas mehr.
Itzt wurde, nach des Höflings Brauch,
Sein Busen plötzlich lau.
Er saß nicht mehr, am Schlehenstrauch,
Mit Röschen auf der Au.

Des Dorfes, und des Mädchens satt,
Warf er sich auf sein Roß,
Flog aus dem Dorf, kam in die Stadt,
Und wieder in sein Schloß.
Hier taumelt' er von Ball zu Ball,
Vergaß der Rasenbank,
Wo, beim Getön der Nachtigall,
Sein Mädchen ihn umschlang.

Sein Röschen, das auf Wiesengrün
Mit ihren Schafen saß,
Sah Mann und Roß vorüberfliehn,
Indes sie Blumen las.
Mein Hardiknut, mein Hardiknut!
Er sah und hörte nicht!
Und drückte sich den Reisehut
Noch tiefer ins Gesicht.

Ach Jesus! ruft sie, Jesus, ach!
Vom Schrecken übermannt,
Starrt sie dem falschen Buben nach,
Bis Mann und Roß verschwand.
Und schluchzt, und wirft sich in das Gras,
Verflucht, ihr Falschen, euch,
Weint ihren schönen Busen naß,
Weint ihre Wangen bleich.

Kein Tanz, kein Spiel behagt ihr mehr,
Kein Abendrot, kein West,
Das Dörfchen dünkt ihr freudenleer,
Die Flur ein Vipernnest.
Ein melancholisch Heimchen zirpt
Vor ihrer Kammertür,
Und weissagt ihren Tod. - Sie stirbt,
Beklaget sie mit mir!

Die dumpfe Totenglocke schallt,
Drauf in das Dorf. Man bringt
Den Sarg daher. Der Küster wallt
Der Bahre vor, und singt.
Der Pfarrer hält ihr den Sermon,
Und wünscht dem Schatten Ruh,
Der diesem Jammertal entflohn,
Und klagt und weint dazu.

Man pflanzt ein Kreuz, mit Flittergold
Bekränzet, auf ihr Grab,
Und manche Herzensträne rollt
Von jeder Wang herab.
Es wurde Nacht. Ein düstrer Flor
Bedeckte Tal und Höhn,
Auch kam der liebe Mond hervor,
Und leuchtete so schön.

Vernehmt nun, wie's dem Ritter ging!
Er lag auf Eiderpflaum,
Um welchen roter Atlas hing,
Und hatte manchen Traum.
Er zittert auf. Mit blauen Licht
Wird sein Gemach erfüllt,
Ein Mädchen tritt ihm vors Gesicht,
Ins Leichentuch verhüllt.

Ach, Röschen ist's, das arme Kind,
Das Hardiknut berückt!
Die Rosen ihrer Wangen sind
Vom Tode weggepflückt.
Sie legt die eine kalte Hand
Dem Ritter auf das Kinn,
Und hält ihr weißes Grabgewand
Ihm mit der andern hin.

Blickt drauf den ehrvergeßnen Mann,
Den Schauer überschleicht,
Dreimal mit hohlen Augen an,
Und wimmert, und entweicht.
Sie kam drauf, jede Mitternacht,
Sobald es zwölfe schlug,
Vermummt in die Gespenstertracht,
Ins weiße Leichentuch.

Der Ritter fiel, in kurzer Zeit,
Drob in Melancholei,
Und ward, verzehrt von Traurigkeit,
Des Todes Konterfei.
Mit einem Dolch bewaffnet, floh
Er aus der Stadt, und lief
Zum Gottesacker hin, allwo
Das arme Röschen schlief.

Wankt' an die frische Gruft, den Stahl
Dem Herzen zugekehrt,
Und sank. Sein Antlitz wurde fahl,
Und blutig ward das Schwert.
Es ging ihm mitten durch das Herz,
Entsetzlich anzuschaun,
Die Augen starrten himmelwärts,
Und blickten Furcht und Graun.

Sein Grab ragt an der Kirchhofmaur,
Der Landmann, der es sieht,
Wenn's Abend wird, fühlt kalten Schaur,
Und schlägt ein Kreuz, und flieht.
Auch pflegt er, bis die Hahnen krähn,
Den Mordstahl in der Brust,
Mit glühenden Augen, umzugehn,
Wie männiglich bewußt.




Ludwig Heinrich Christoph Hölty

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