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Meine Seele ist in der Stille

Paul Gerhardt

Meine Seel ist in der Stille,
Trstet sich des Hchsten Kraft,
Dessen Rat und heilger Wille
Mir bald Rat und Hilfe schafft.
Der kann mehr als alle Gtter,
Ist mein Hort, mein Heil, mein Retter,
Da kein Fall mich strzen kann,
Trt er noch so heftig an.

Meine Hasser, hrt! Wie lange
Stellt ihr alle einem nach?
Ihr macht meinem Herzen bange,
Mir zur Ehr und euch zur Schmach,
Hanget wie zerrine Mauern
Und wie Wnde, die nicht dauern,
ber mir und seid bedacht,
Wie ich werde totgemacht.

Ja frwahr, da einge denken,
Die, so mir zuwider seind,
Wie sie mir mein Leben senken
Dahin, wo kein Licht mehr scheint:
Darum geht ihr Mund aufs Lgen
Und das Herz auf lauter Trgen;
Gute Wort und falsche Tck
Ist ihr bestes Meisterstck.

Dennoch bleib ich ungeschrecket,
Und mein Geist ist unverzagt
In dem Gotte, der mich decket,
Wann die arge Welt mich plagt.
Auf den harret meine Seele;
Da ist Trost, den ich erwhle,
Da ist Schutz, der mir gefllt,
Und Errettung, die mich hlt.

Nimmer, nimmer werd ich fallen,
Nimmer werd ich untergehn,
Denn hier ist, der mich vor allen,
Die mich drcken, kann erhhn;
Bei dem ist mein Heil und Ehre,
Meine Strke, meine Wehre;
Meine Freud und Zuversicht
Ist nur stets auf Gott gericht.

Hoffet allzeit, lieben Leute,
Hoffet allzeit stark auf ihn.
Kommt die Hilfe nicht bald heute,
Falle doch der Mut nicht hin.
Sondern schttet aus dem Herzen
Eures Herzens Sorg und Schmerzen,
Legt sie vor sein Angesicht,
Traut ihm fest und zweifelt nicht.

Gott kann alles Unglck enden,
Wirds auch herzlich gerne tun
Denen, die sich zu ihm wenden
Und auf seiner Gte ruhn.
Aber Menschenhilf ist nichtig,
Ihr Vermgen ist nicht tchtig,
Wr es gleich noch eins so gro,
Uns zu machen frei und los.

Groe Leute, groe Toren!
Prangen sehr und sind doch Kot,
Fllen Sinnen, Aug und Ohren:
Kommts zur Tat, so sind sie tot;
Will man ihres Tuns und Sachen
Eine Prob und Rechnung machen,
Nach dem Ausschlag des Gewichts
Sind sie weniger denn nichts.

Lat sie fahren, liebe Kinder,
Da ist schlechter Vorteil bei!
Habt vor allem, was die Snder
Frechlich treiben, Furcht und Scheu!
Lat euch Eitelkeit nicht fangen,
Nach, was nichts ist, nicht verlangen;
Km auch Gut und Reichtum an,
Ei, so hngt das Herz nicht dran!

Wo das Herz am besten stehe,
Lehrt am besten Gottes Wort
Aus der gldnen Himmelshhe;
Denn da hr ich fort und fort,
Da er gro und reich von Krften,
Rein und heilig in Geschften,
Gtig dem, der Gutes tut.
Nun, der sei mein schnstes Gut.




Paul Gerhardt

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