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Sommernacht

Gottfried Keller

Es wallt das Korn weit in die Runde
Und wie ein Meer dehnt es sich aus;
Doch liegt auf seinem stillen Grunde
Nicht Seegewrm noch andrer Graus;
Da trumen Blumen nur von Krnzen
Und trinken der Gestirne Schein.
O goldnes Meer, dein friedlich Glnzen
Saugt meine Seele gierig ein!

In meiner Heimat grnen Talen,
Da herrscht ein alter schner Brauch:
Wann hell die Sommersterne strahlen,
Der Glhwurm schimmert durch den Strauch,
Dann geht ein Flstern und ein Winken,
Das sich dem hrenfelde naht,
Da geht ein nchtlich Silberblinken
Von Sicheln durch die goldne Saat.

Das sind die Bursche jung und wacker,
Die sammeln sich im Feld zuhauf
Und suchen den gereiften Acker
Der Witwe oder Waise auf,
Die keines Vaters, keiner Brder
Und keines Knechtes Hilfe wei -
Ihr schneiden sie den Segen nieder,
Die reinste Lust ziert ihren Flei.

Schon sind die Garben fest gebunden
Und rasch in einen Ring gebracht;
Wie lieblich flohn die kurzen Stunden,
Es war ein Spiel in khler Nacht!
Nun wird geschwrmt und hell gesungen
Im Garbenkreis, bis Morgenluft
Die nimmermden braunen Jungen
Zur eignen schweren Arbeit ruft.




Gottfried Keller

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