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Vier Jugendfreunde

Gottfried Keller

1.

Du, der so lang im Herzen mich geborgen,
Mit allen meinen grmlichen Gebrechen,
Mit meinen hastig immer neuen Schwchen,
Mit allen meinen wunderlichen Sorgen,

Die Hand vergessend botest jeden Morgen,
Wenn ich die Nacht vorher mit blindem Stechen,
Mit ungerechtem oder bittrem Sprechen
Dir schnitt ins Herz, so treu und unverborgen;

Nicht um zu sphn nach Tadel oder Lobe,
Will ich dir diese Lieder bersenden,
Eh' unsre Jugendtage ganz erblassen:

Nein, nur zur letzten schwersten Freundesprobe!
Ich muss mich gegen deinen Glauben wenden -
Wirst du mich darum endlich doch verlassen?

2.

Ich sehe dich mit lssig sichrer Hand
Die Schulterlinien einer Gttin schreiben,
Dazu den Hohn um deine Lippen treiben:
"'s ist nichts dahinter!" oder "eitler Tand!"

Seh' dich zuhinterst an der Schenke Wand
Bis Mitternacht bei den Gesellen bleiben;
Dein Schwarzaug' sucht des Witzes breite Scheiben,
Jedoch dein schner Mund des Bechers Rand.

Du schlenderst heim, ein leichtes Liedchen pfeifend,
Drckst in die Kissen deine dunklen Locken,
Bald steigt im Traum dir neuer Schwank empor.

Zeigt er dir mich, in wachen Trumen schweifend,
Begeistert ber hundert Bcher hocken?
Schon schwirrt dein Traumgelchter mir im Ohr!

3.

Da liegt vor mir dein unglcksel'ger Brief,
Und weder Rat, noch Hilfe seh' ich winken;
Schwer ist das Aufstehen wohl nach solchem Sinken,
Du aber, Freund, du sankest fast zu tief!

Der Lenz, der dich von Blum' zu Blume rief.
Erloschen ist jetzt seiner Sonne Blinken;
Den du so sinnlos hastig musstest trinken,
Siehst du, was auf des Bechers Grunde schlief?

Ich aber steh' in Ohnmacht, in der Ferne,
Und fluch' der Kraft, die dich von mir getrieben,
Die nur zu wirren weiss und nie zu lsen.

Am Ende preis' ich meine drft'gen Sterne;
Im Guten trge und zu bld im Bsen,
Bin ich ein stilles Kind im Land geblieben!

4.

Ans Fenster schlgt ein unerschpfter Regen,
Her rauscht die Mitternacht auf feuchten Schwingen,
Und mit dem Dunkel muss das Lmplein ringen -
Wie bin ich md, ich will zu Bett mich legen!

Was sinn' ich noch zu meinem Abendsegen? -
In meinem Ohre summt ein leises Klingen
Und widerhallet ein verschollnes Singen:
Mein denket einer auf entfernten Wegen.

Bist du's, o Freund? Auch ich gedenke dein!
Sei mir gegrsst im unsichtbaren Raume
Nach Jahren voll Vergessenheit und Leiden!

Bei unsrer Jugend bleichem Sternenschein
Sehn wir uns flchtig fragend an im Traume,
Um wieder lang, auf immer wohl zu scheiden.




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