Balladen und Gedichte Songtexte und Volkslieder Wissen und Forschung Suche und Links
Autoren
Themen
Lnder

Arndt, Ernst Moritz
Arnim, Achim von
Brentano, Clemens
Browning, Robert
Busch, Wilhelm
Brger, Gottfried August
Chamisso, Adelbert von
Droste-Hlshoff, Annette von
Eichendorff, Joseph von
Ernst, Otto
Fontane, Theodor
Gerhardt, Paul
Goethe, Johann Wolfgang von
Grillparzer, Franz
Hagedorn, Friedrich von
Hebbel, Friedrich
Heine, Heinrich
Herder, Johann Gottfried von
Hofmannsthal, Hugo von
Housman, A.E.
Hlty, Ludwig Heinrich Christoph
Keats, John
Keller, Gottfried
Kraus, Karl
Liliencron, Detlev von
Meyer, Conrad Ferdinand
Mnchhausen, Brries Frhr. von
Mrike, Eduard
Ringelnatz, Joachim
Schiller, Friedrich
Storm, Theodor
Uhland, Ludwig
Weckherlin, Georg Rodolf
Zur�ck zu den Suchergebnissen

Die Braut von Korinth

Johann Wolfgang von Goethe

Nach Korinthus von Athen gezogen
Kam ein Jngling, dort noch unbekannt.
Einen Brger hofft' er sich gewogen;
Beide Vter waren gastverwandt,
Hatten frhe schon
Tchterchen und Sohn
Braut und Brutigam voraus genannt.

Aber wird er auch willkommen scheinen,
Wenn er teuer nicht die Gunst erkauft?
Er ist noch ein Heide mit den Seinen,
Und sie sind schon Christen und getauft.
Keimt ein Glaube neu,
Wird oft Lieb' und Treu
Wie ein bses Unkraut ausgerauft.

Und schon lag das ganze Haus im stillen,
Vater, Tchter, nur die Mutter wacht;
Sie empfngt den Gast mit bestem Willen,
Gleich ins Prunkgemach wird er gebracht.
Wein und Essen prangt,
Eh er es verlangt;
So versorgend wnscht sie gute Nacht.

Aber bei dem wohlbestellten Essen
Wird die Lust der Speise nicht erregt;
Mdigkeit lt Speis' und Trank vergessen,
Da er angekleidet sich aufs Bette legt;
Und er schlummert fast,
Als ein seltner Gast
Sich zur offnen Tr herein bewegt.

Denn er sieht, bei seiner Lampe Schimmer
Tritt, mit weiem Schleier und Gewand,
Sittsam still ein Mdchen in das Zimmer,
Um die Stirn ein schwarz- und goldnes Band.
Wie sie ihn erblickt,
Hebt sie, die erschrickt,
Mit Erstaunen eine weie Hand.

Bin ich, rief sie aus, so fremd im Hause,
Da ich von dem Gaste nichts vernahm?
Ach, so hlt man mich in meiner Klause!
Und nun berfllt mich hier die Scham.
Ruhe nur so fort
Auf dem Lager dort,
Und ich gehe schnell, so wie ich kam.

Bleibe, schnes Mdchen! ruft der Knabe,
Rafft von seinem Lager sich geschwind:
Hier ist Ceres', hier ist Bacchus' Gabe,
Und du bringst den Amor, liebes Kind!
Bist vor Schrecken bla!
Liebe, komm und la,
La uns sehn, wie froh die Gtter sind!

Ferne bleib, o Jngling! bleibe stehen,
Ich gehre nicht den Freuden an.
Schon der letzte Schritt ist, ach! geschehen
Durch der guten Mutter kranken Wahn,
Die genesend schwur:
Jugend und Natur
Sei dem Himmel knftig untertan.

Und der alten Gtter bunt Gewimmel
Hat sogleich das stille Haus geleert.
Unsichtbar wird Einer nur im Himmel
Und ein Heiland wird am Kreuz verehrt;
Opfer fallen hier,
Weder Lamm noch Stier,
Aber Menschenopfer unerhrt.

Und er fragt und wget alle Worte,
Deren keines seinem Geist entgeht.
Ist es mglich, da am stillen Orte
Die geliebte Braut hier vor mir steht?
Sei die Meine nur!
Unsrer Vter Schwur
Hat vom Himmel Segen uns erfleht.

Mich erhlst du nicht, du gute Seele!
Meiner zweiten Schwester gnnt man dich.
Wenn ich mich in stiller Klause qule,
Ach! in ihren Armen denk an mich,
Die an dich nur denkt,
Die sich liebend krnkt;
In die Erde bald verbirgt sie sich.

Nein! bei dieser Flamme sei's geschworen,
Gtig zeigt sie Hymen uns voraus,
Bist der Freude nicht und mir verloren,
Kommst mit mir in meines Vaters Haus.
Liebchen, bleibe hier!
Feire gleich mit mir
Unerwartet unsern Hochzeitschmaus!

Und schon wechseln sie der Treue Zeichen:
Golden reicht sie ihm die Kette dar,
Und er will ihr eine Schale reichen,
Silbern, knstlich, wie nicht eine war.
Die ist nicht fr mich;
Doch, ich bitte dich,
Eine Locke gib von deinem Haar.

Eben schlug dumpf die Geisterstunde,
Und nun schien es ihr erst wohl zu sein.
Gierig schlrfte sie mit blassem Munde
Nun den dunkel blutgefrbten Wein;
Doch vom Weizenbrot,
Das er freundlich bot,
Nahm sie nicht den kleinsten Bissen ein.

Und dem Jngling reichte sie die Schale,
Der, wie sie, nun hastig lstern trank.
Liebe fordert er beim stillen Mahle;
Ach, sein armes Herz war liebekrank.
Doch sie widersteht,
Wie er immer fleht,
Bis er weinend auf das Bette sank.

Und sie kommt und wirft sich zu ihm nieder:
Ach, wie ungern seh' ich dich geqult;
Aber, ach! berhrst du meine Glieder,
Fhlst du schaudernd, was ich dir verhehlt.
Wie der Schnee so wei,
Aber kalt wie Eis
Ist das Liebchen, das du dir erwhlt.

Heftig fat er sie mit starken Armen,
Von der Liebe Jugendkraft durchmannt:
Hoffe doch bei mir noch zu erwarmen,
Wrst du selbst mir aus dem Grab gesandt!
Wechselhauch und Ku!
Liebesberflu!
Brennst du nicht und fhlest mich entbrannt?

Liebe schlieet fester sie zusammen,
Trnen mischen sich in ihre Lust;
Gierig saugt sie seines Mundes Flammen,
Eins ist nur im andern sich bewut.
Seine Liebeswut
Wrmt iht starres Blut;
Doch es schlgt kein Herz in ihrer Brust.

Unterdessen schleichet auf dem Gange
Huslich spt die Mutter noch vorbei,
Horchet an der Tr und horchet lange,
Welch ein sonderbarer Ton es sei:
Klag- und Wonnelaut
Brutigams und Braut
Und des Liebestammelns Raserei.

Unbeweglich bleibt sie an der Tre,
Weil sie erst sich berzeugen mu,
Und sie hrt die hchsten Liebesschwre,
Lieb' und Schmeichelworte mit Verdru-
Still! der Hahn erwacht!-
Aber morgen Nacht
Bist du wieder da? - und Ku auf Ku.

Lnger hlt die Mutter nicht das Zrnen,
ffnet das bekannte Schlo geschwind:
Gibt es hier im Hause solche Dirnen,
Die dem Fremden gleich zu Willen sind?-
So zur Tr hinein.
Bei der Lampe Schein
Sieht sie - Gott! sie sieht ihr eigen Kind.

Und der Jngling will im ersten Schrecken
Mit des Mdchens eignem Schleierflor,
Mit dem Teppich die Geliebte decken;
Doch sie windet gleich sich selbst hervor.
Wie mit Geists Gewalt
Hebet die Gestalt
Lang und langsam sich im Bett empor.

Mutter! Mutter! spricht sie hohle Worte,
So mignnt ihr mir die schne Nacht!
Ihr vertreibt mich von dem warmen Orte,
Bin ich zur Verzweiflung nur erwacht?
Ist's Euch nicht genug,
Da ins Leichentuch,
Da Ihr frh mich in das Grab gebracht?

Aber aus der schwerbedeckten Enge
Treibet mich ein eigenes Gericht.
Eurer Priester summende Gesnge
Und ihr Segen haben kein Gewicht;
Salz und Wasser khlt
Nicht, wo Jugend fhlt;
Ach! die Erde khlt die Liebe nicht.

Dieser Jngling war mir erst versprochen,
Als noch Venus' heitrer Tempel stand.
Mutter, habt Ihr doch das Wort gebrochen,
Weil ein fremd, ein falsch Gelbd' Euch band!
Doch kein Gott erhrt,
Wenn die Mutter schwrt,
Zu versagen ihrer Tochter Hand.

Aus dem Grabe werd' ich ausgetrieben,
Noch zu suchen das vermite Gut,
Noch den schon verlornen Mann zu lieben
Und zu saugen seines Herzens Blut.
Ist's um den geschehn,
Mu nach andern gehn,
Und das junge Volk erliegt der Wut.

Schner Jngling! kannst nicht lnger leben;
Du versiechest nun an diesem Ort.
Meine Kette hab' ich dir gegeben;
Deine Locke nehm' ich mit mir fort.
Sieh sie an genau!
Morgen bist du grau,
Und nur braun erscheinst du wieder dort.

Hre, Mutter, nun die letzte Bitte:
Einen Scheiterhaufen schichte du;
ffne meine bange kleine Htte,
Bring in Flammen Liebende zu Ruh;
Wenn der Funke sprht,
Wenn die Asche glht,
Eilen wir den alten Gttern zu.




Johann Wolfgang von Goethe

Biographie

Balladen und Gedichte
An Charlotte von Stein
An den Mond
An Schwager Kronos
Auf dem See
Ballade
Begnstigte Tiere
Buch der Liebe
Das Gttliche
Das Schreien
Das Sonett
Das Veilchen
Der Erlknig
Der Fischer
Der Gott und die Bajadere
Der Klner Mummenschanz
Der Knig von Thule
Der Schatzgrber
Der Strau, den ich gepflcket
Der Totentanz
Der untreue Knabe
Der Zauberlehrling
Die Braut von Korinth
Eins und Alles
Gefunden
Gingo biloba
Heidenrslein
Katzenpastete
Legende
Mailied
Meine Ruh' ist hin
Mignon
Mit Elsheimers Morgen
Mchtiges berraschen
Mrz
Novemberlied
Nhe des Geliebten
Osterspaziergang
Rezensent
Rtsel
Seefahrt
Selige Sehnsucht
Trmerlied
Urworte. Orphisch
Venezianische Epigramme
Vermchtnis
Wanderers Nachtlied (II)
Wehmut
Wer nie sein Brot mit Trnen a
Zum neuen Jahr
Impressum   Kontakt




Magento Freelancer aus Köln Balladen.de - Startseite