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(Aphorismen) Kunst

Karl Kraus

Mit einem Blick ein Weltbild erfassen, ist Kunst. Wieviel doch in ein Auge hineingeht!


Die Persnlichkeit hat's in sich, das Talent an sich.


Talent haben - Talent sein: das wird immer verwechselt.


Es beweist immerhin eine gesunde Konstitution, wenn sich unter der Einwirkung der Strahlen einer Persnlichkeit die Weltanschauung zu schlen beginnt.


Ein guter Stilist soll bei der Arbeit die Lust eines Narzissus empfinden. Er mu sein Werk so objektivieren knnen, da er sich bei einem Neidgefhl ertappt und erst durch Erinnerung darauf kommt, da er selbst der Schpfer sei. Kurzum, er mu jene hchste Objektivitt bewhren, die die Welt Eitelkeit nennt.


Die Vorstellung, da ein Kunstwerk Nahrung sei fr den philistrsen Appetit, schreckt mich aus dem Schlafe. Vom Brger verdaut zu werden, verschmhe ich. Aber ihm im Magen liegenzubleiben, ist auch nicht verlockend. Darum ist es vielleicht am besten, sich ihm berhaupt nicht zu servieren.


Gegen den Fluch des Gestaltenmssens ist kein Kraut gewachsen.


Ein Dichter, der liest: ein Anblick, wie ein Koch, der it.


Wozu sollte ein Knstler den anderen erfassen? Wrdigt der Vesuv den tna, Es knnte sich hchstens eine feminine Beziehung eiferschtigen Vergleichens ergehen: Wer speit besser?


Wenn's auf der Weltbhne nicht klappt, fllt das Orchester ein.


Der Philister ist nicht imstande, sich seine Gemtserhebungen selbst zu besorgen, und mu unaufhrlich an die Schnheit des Lebens erinnert werden. Selbst zur Liebe bedarf er einer Gebrauchsanweisung.


Diese finden jenes, jene dieses schn. Aber sie mssen es "finden". Suchen will es keiner.


Es gibt zweierlei Kunstgenieer. Die einen loben das Gute, weil es gut, und tadeln das Schlechte, weil es schlecht. ist. Die anderen tadeln das Gute, weil es gut, und loben das Schlechte, weil es schlecht ist. Die Unterscheidung dieser Arten ist um so einfacher, als die erste nicht vorkommt. Man knnte sich also leicht auskennen, wenn nicht eine dritte Kategorie hinzutrte. Es sind solche, die das Gute loben, obgleich es gut, und das Schlechte tadeln, wiewohl es schlecht ist. Diese gefhrliche Art hat die ganze Unordnung in knstlerischen Dingen verschuldet. Ihr Instinkt weist sie an, das Unrichtige zu treffen, aber vorstzlich treffen sie das Richtige. Sie haben Grnde, die auerhalb des knstlerischen Empfindens liegen. Ohne den Snobismus, der ihn erhebt, knnte der Knstler leben. Schwerlich ohne die Dummheit, die ihn herabsetzt.


Wenn ein Knstler Konzessionen macht, so erreicht er nicht mehr als der Reisende, der sich im Ausland durch gebrochenes Deutsch verstndlich zu machen sucht.


Ein Snob ist unverllich. Das Werk, das er lobt, kann gut sein.


Nicht alles, was totgeschwiegen wird, lebt.


Die Kritik beweist nicht immer ihren gewohnten Scharf blick; sie ignoriert oft die wertlosesten Erscheinungen.


Es gibt keine Erzeuger mehr, es gibt nur mehr Vertreter.


Die Kunst ist so eigenwillig, da sie das Knnen der Finger und Ellbogen nicht als Befhigungsnachweis gelten lt.


Knstler haben das Recht, bescheiden, und die Pflicht, eitel zu sein.


Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!


Gerusch wird strend nie empfunden, weil stets es mit Musik verbunden.


Leidenschaften knnen Musik machen. Aber nur wortlose Musik. Darum ist die Oper ein Unsinn. Sie setzt die reale Welt voraus und bevlkert sie mit Menschen, die bei einer Eifersuchtsszene, bei Kopfschmerz, bei einer Kriegserklrung singen, ja sterbend selbst auf die Koloratur nicht verzichten. Sie fhrt durch die Inkongruenz eines menschenmglichen Ernstes mit der wunderlichen Gewohnheit des Singens sich selbst ad absurdum. In der Operette ist die Absurditt vorweg gegeben. Sie setzt eine Welt voraus, in welcher die Urschlichkeit aufgehoben ist, nach den Gesetzen des Chaos, aus dem die andere Welt erschaffen wurde, munter fortgelebt wird und der Gesang als Verstndigungsmittel beglaubigt ist. Der "Operettenunsinn" versteht sich von selbst und fordert nicht die Reaktion der Vernunft heraus. Da Operettenverschwrer singen, ist plausibel, aber die Opernverschwrer meinen es ernst und schdigen den Ernst ihres Vorhabens durch unmotiviertes Singen. Der Operettenunsinn ist Romantik Die Funktion der Musik, den Krampf des Lebens zu lsen und die gedankliche Ttigkeit entspannend wieder anzuregen, paart sich mit einer verantwortungslosen Heiterkeit, die in jenem Wirrsal ein Bild unserer realen Verkehrtheiten ahnen lt. Der Gedanke der Operette ist Rausch, aus dem Gedanken geboren werden; die Nchternheit geht leer ans. Die Voraussetzung einer romantischen Welt nun wird einer Welt, die mit jedem Tage voraussetzungsloser wird, immer schwerer. Darum mu die Operette rationalisiert werden. Sie verleugnet die Romantik ihrer Herkunft und huldigt dem Verstand eines Commis voyageur. Die Forderung, da die Operette vor der reinen Vernunft bestehe, ist die Urheberin des reinen Operettenbldsinns. Jetzt singen nicht mehr die Bobche und Sparadrap, die Schferprinzen und die Prinzessinnen von Trapezunt, die frchterlichen Alchimisten, in deren Gift Kandelzucker ist, keine Knigsfamilie mehr wird beim bloen Wort "Trommel" zu musikalischen Exzessen hingerissen, kein Hauch eines Tyrannen wirft einen falsch mitsingenden Hfling nieder. Aber Attachs und Leutnants bringen sachlich in Tnen vor, was sie ihren Partnerinnen zu sagen haben. Psychologie ist die Ultima ratio der Unfhigkeit, und so mute auch die Operette psychologisiert werden. Als aber der Unsinn blhte, war er ein Erzieher. Indem die Grazie das knstlerische Ma dieser Narrheit war, mochte dem Operettenunsinn ein lebensbildender Wert zugesprochen werden. Ein Orchesterwitz in Offenbachs "Blaubart" hat mir mehr Empfinden beigebracht als hundert Opern. Erst jetzt, da das Genre Vernunft angenommen und den Frack angezogen hat, wird es sich die Verachtung verdienen, die ihm die sthetik seit jeher bezeigt hat.


Ich kann mir denken, da ein junger Mensch von den Werken Offenbachs, die er in einem Sommertheater zu hren bekommt, entscheidendere Eindrcke empfngt als von jenen Klassikern, zu deren verstndnisloser Empfngnis ihn die Pdagogik antreibt. Vielleicht wird seine Phantasie zur Bewltigung der Fleiaufgabe gespornt, sich aus der "Schnen Helena" das Bild jener Heroen zu formen, das ihm die Ilias noch vorenthlt. Vielleicht knnte ihm das Zerrbild der Gtter den wahren Olymp erschlieen.


Die Oper: Konsequenz der Charaktere und Realitt der Begebenheiten sind Vorzge, zu denen nicht erst Musik gemacht werden mu.


Die Naturheilmethode wtet auch in der Kunst.


Man darf auf dem Theater die Natur einer Persnlichkeit nicht mit der Natrlichkeit einer Person verwechseln.


Ich traue der Druckmaschine nicht, wenn ich ihr mein geschriebenes Wort berliefere. Wie kann ein Dramatiker sich auf den Mund eines Schauspielers verlassen!


Endlich sollte einmal zu lesen sein: Die Ausstattung des neuen Stckes hat alles bisher bertroffene geboten.


Das Lachen ber Schauspielereitelkeit, Applausbedrfnis und dergleichen ist lcherlich. Die Theatermenschen brauchen den Beifall, um besser zu spielen; und dazu gengt auch der knstliche. Das Glcksgefhl, das mancher Darsteller zeigt, wenn ihm die applaudieren, die er dafr bezahlt hat, ist ein Beweis fr seine Knstlerschaft. Kaum einer wre ein groer Schauspieler geworden, wenn das Publikum ohne Hnde auf die Welt gekommen wre.


Der persnliche Umgang mit Dichtern ist nicht immer erwnscht. Vor allem mag ich die Somnambulen nicht, die immer auf die richtige Seite fallen.


Wohl hat das Grinzinger Bachl Beethoven zur Pastoral-Symphonie angeregt. Das beweist aber nichts fr das Grinzinger Bachl und alles fr Beethoven. Je kleiner die Landschaft, desto grer kann Kunstwerk sein. und umgekehrt. Aber zu sagen, die Stimmung, die der Bach einem beliebigen Spaziergnger vermittelt, sei eins mit der Stimmung, die der Hrer von der Symphonie empfngt, ist tricht. Sonst knnte man ja auch sagen, der Geruch von faulen pfeln gebe uns Schillers Wallenstein.


Der moderne Geschmack braucht die ausgesuchtesten Komplikationen, um schlielich zu entdecken, da ein Wasserglas in der Rundform am bequemsten sei. Er erreicht das Sinnvolle auf dem Weg der Unbequemlichkeiten. Er arbeitet im Schweie seines Angesichts, um zu erkennen, da die Erde kein Wrfel, sondern eine Kugel sei. Dies Indianerstaunen der Zivilisation ber die Errungenschaften der Natur hat etwas Rhrendes.


Der sthet lebt nicht so fern dem Politiker, wie man glaubt. Jenem lst sich das Leben in eine Linie auf, diesem in eine Flche. Das nichtige Spiel, welches beide treiben,fhrt beide gleich weit vom Geiste, irgendwohin, wo sie berhaupt nicht mehr in Betracht kommen. Es ist tragisch,fr jene Partei reklamiert zu werden, wenn man von dieser nichts wissen will, und zu dieser gehren zu mssen, weil man jene verachtet. Aus der Hhe wahrer Geistigkeit aber sieht man die Politik nur mehr als sthetischen Tand und die Orchidee als eine Parteiblume. Es ist derselbe Mangel an Persnlichkeit, der die einen treibt, das Leben im Stoffe, und die anderen, das Leben in der Form zu suchen. Sie wollen voneinander nichts wissen, aber sie gehren beide auf denselben Schindanger.


Die Realitt nicht suchen und nicht fliehen, sondern erschaffen und im Zerstren erst recht erschaffen: wie sollte man damit Gehirne beglcken, durch deren Windungen zweimal im Tag der Mist der Welt gekehrt wird? ber nichts fhlt sich das Publikum erhabener als ber einen Autor, den es nicht versteht, aber Kommis, die sich hinter einer Budel nicht bewhrt haben, sind seine Heiligen. Den Journalisten nahm ein Gott, zu leiden, was sie sagen.


Es gibt zwei Arten von Schriftstellern. Solche, die es sind, und solche, die es nicht sind. Bei den ersten gehren Inhalt und Form zusammen wie Seele und Leib, bei den zweiten passen Inhalt und Form zusammen wie Leib und Kleid.


Das geschriebene Wort sei die naturnotwendige Verkrperung eines Gedankens und nicht die gesellschaftsfhige Hlle einer Meinung.


Wer Meinungen von sich gibt, darf sich auf Widersprchen nicht ertappen lassen. Wer Gedanken hat, denkt auch zwischen den Widersprchen.


Was leicht ins Ohr geht, geht leicht hinaus. Was schwer ins Ohr geht, geht schwer hinaus. Das gilt vom Schreiben noch mehr als vom Musikmachen.


Wer nichts der Sprache vergibt, vergibt nichts der Sache.


Ein Schriftsteller, der einen tglichen Fall verewigt, kompromittiert nur die Aktualitt. Wer aber die Ewigkeit journalisiert, hat Aussicht, in der besten Gesellschaft anerkannt zu werden.


Da einer sich der Sprache bedient, um zu sagen, da ein Minister untauglich ist, macht ihn noch nicht zum Schriftsteller.


In der Sprachwissenschaft mu ein Autor nicht unfehlbar sein. Auch kann die Verwendung unreinen Materials einem knstlerischen Zweck frommen. Ich vermeide Lokalismen nicht, wenn sie einer satirischen Absicht dienen. Der Witz, der mit gegebenen Vorstellungen arbeitet und eine gelufige Terminologie voraussetzt, zieht die Sprachgebruchlichkeit der Sprachrichtigkeit vor, und nichts ist ihm ferner als der Ehrgeiz puristischen Strebens. Es geht um Sprachkunst. Da es so etwas gibt, spren fnf unter tausend. Die anderen sehen eine Meinung, an der etwa ein Witz hngt, den man sich bequem ins Knopfloch stecken kann. Von dem Geheimnis organischen Wachstums haben sie keine Ahnung. Sie werten nur das Material. Die platteste Vorstellung kann zu tiefster Wirkung gebracht werden: sie wird unter der Betrachtung solcher Leser wieder platt. Die Trivialitt als Element satirischer Gestaltung: ein Kalauer bleibt in ihrer Hand.


Der Wortwitz, als Selbstzweck verchtlich, kann das edelste Mittel einer knstlerischen Absicht sein, indem er der Abbreviatur einer witzigen Anschauung dient. Er kann ein sozialkritisches Epigramm sein.


Beim Witz ist die sprachliche Trivialitt oft der Inhalt des knstlerischen Ausdrucks. Der Schriftsteller, der sich ihrer bedient, ist echter Feierlichkeit fhig. Das Pathos an und fr sich ist ebenso wertlos wie die Trivialitt als solche.


Die Form ist der Gedanke. Sie macht einen mittelmigen Ernst zum tieferen Witz. So, wenn ich sage, da in ein Kinderzimmer, wo wilde Rangen spielen, ein unzerreibares Mutterherz gehrt.


Man mu meine Arbeiten zweimal lesen, um ihnen nahe zu kommen. Aber ich habe auch nichts dagegen, da man sie dreimal liest. Lieber aber ist mir, man liest sie berhaupt nicht als blo einmal. Die Kongestionen eines Dummkopfs, der keine Zeit hat, mchte ich nicht verantworten.


Man mu alle Schriftsteller zweimal lesen, die guten und die schlechten. Die einen wird man erkennen, die andern entlarven.


Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrcken knnen, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.


Die Ideensumme eines literarischen Aufsatzes sei das Ergebnis einer Multiplikation. nicht einer Addition.


Werdegang des Schreibenden: Im Anfang ist man's ungewohnt und es geht darum wie geschmiert. Aber dann wird's schwerer und immer schwerer, und wenn man erst in die bung kommt, dann wird man mit manch einem Satz nicht fertig.


Ein Buch kann darber tuschen, ob es die Weltanschauung des Autors bietet oder eine, die er blo vertritt. Ein Satz ist die Probe, ob man eine hat.


Einen Aphorismus kann man in keine Schreibmaschine diktieren. Es wrde zu lange dauern.


Ein Aphorismus braucht nicht wahr zu sein, aber er soll die Wahrheit berflgeln. Er mu mit einem Satz ber sie hinauskommen.


Journalist heit einer, der das, was der Leser sich ohnehin schon gedacht hat, in einer Form ausspricht, in der es eben doch nicht jeder Kommis imstande wre.


Ein Feuilleton schreiben heit, auf einer Glatze Locken drehen.


Die gefhrlichsten Literaten sind die, welche ein gutes Gedchtnis aller Verantwortung enthebt. Sie knnen nichts dafr und nichts dagegen, da ihnen etwas angeflogen kommt. Da ist mir ein ehrlicher Plagiator lieber.


Zuerst schnffelt der Hund, dann hebt er selbst das Bein. Gegen diesen Mangel an Originalitt kann man fglich nichts einwenden. Aber da der Literat zuerst liest, ehe er schreibt, ist trostlos.


In der Literatur gibt es zwei verschiedene hnlichkeiten. Wenn man findet, da ein Autor einen andern zum Verwandten, und wenn man entdeckt, da er ihn blo zum Bekannten hat.


Zu seiner Belehrung sollte ein Schriftsteller mehr leben als lesen. Zu seiner Unterhaltung sollte ein Schriftsteller mehr schreiben als lesen. Dann knnen Bcher entstehen, die das Publikum zur Belehrung und zur Unterhaltung liest.


Einen Roman zu schreiben, mag ein reines Vergngen sein. Nicht ohne Schwierigkeit ist es bereits, einen Roman zu erleben. Aber einen Roman zu lesen, davor hte ich mich, so gut es irgend geht.


Wo nehme ich nur all die Zeit her, so viel nicht zu lesen?


Nur eine Sprache, die den Krebs hat, neigt zu Neubildungen.


Ungewhnliche Worte zu gebrauchen, ist eine literarische Unart. Man darf dein Publikum blo gedankliche Schwierigkeiten in den Weg legen.


Wo weder zum Weinen Kraft ist noch zum Lachen, lchelt der Humor unter Trnen.


Sentimentale Ironie ist ein Hund, der den Mond anbellt, dieweil er auf Grber pit.


In der Literatur hte man sich vor den Satzbauschwindlern. Ihre Huser kriegen zuerst Fenster und dann Mauern.


Geistige Zuckerbcker liefern kandierte Lesefrchte.


"Gut schreiben" ohne Persnlichkeit kann fr den Journalismus reichen. Allenfalls fr die Wissenschaft. Nie fr die Literatur.


Warum schreibt mancher? Weil er nicht genug Charakter hat, nicht zu schreiben.


Deutsche Literaten: Die Lorbeern, von denen der eine trumt, lassen den andern nicht schlafen. Ein anderer trumt, da seine Lorbeern wieder einen andern nicht schlafen lassen, und dieser schlft nicht, weil der andere von Lorbeern trumt.


Als mir da neulich einer unserer jungen Dichter vorgestellt wurde, rutschte mir die Frage heraus, bei welcher Bank er dichte. Es geschah ganz unabsichtlich und ich wollte den armen Teufel nicht beleidigen.


Es gibt seichte und tiefe Hohlkpfe.


Die Prostitution des Leibes teilt mit dem Journalismus die Fhigkeit, nicht empfinden zu mssen, hat aber vor ihm die Fhigkeit voraus, empfinden zu knnen.


Ein guter Schriftsteller erhlt bei weitem nicht so viele anonyme Schmhbriefe, als man gewhnlich annimmt. Auf hundert Esel kommen nicht zehn, die es zugeben, und hchstens einer, der's niederschreibt.


Die bange Frage steigt auf, ob der Journalismus, dem man schweigend die besten Werke zur Beute hinwirft, nicht auch kommenden Zeiten schon die Empfnglichkeit fr die sprachliche Kunst verdorben hat.


Lichtenberg grbt tiefer als irgendeiner, aber er kommt nicht wieder hinauf. Er redet unter der Erde. Nur wer selbst tief grbt, hrt Ihn.


Im Anfang war das Rezensionsexemplar, und einer bekam es vom Verleger zugeschickt. Darin schrieb er eine Rezension. Dann schrieb er ein Buch, welches der Verleger annahm und als Rezensionsexemplar weitergab. Der nchste, der es bekam, tat desgleichen. So ist die moderne Literatur entstanden.


Der Vorsatz des jungen Jean Paul war, "Bcher zu schreiben, um Bcher kaufen zu knnen". Der Vorsatz unserer jungen Schriftsteller ist, Bcher geschenkt zu bekommen, um Bcher schreiben zu knnen.


Seitdem faule Apfel einmal in der deutschen Dramatik zur Anregung gedient haben, frchtet das Publikum, sie zur Abschreckung zu verwenden.


Revisoren ber Shakespeare-Schlegel! Die Flgel, die ein Wort bekommen hat, ihm brechen, das vermag nur ein philologisches Gewissen.


Mein Gehr ermglicht es mir, einen Schauspieler, den ich vor Jahrzehnten in einer Dienerrolle auf einem Provinztheater und seit damals nicht gesehen habe, nachzuahmen. Das ist ein wahrer Fluch. Ich hre jeden Menschen sprechen, den ich einmal gehrt habe. Nur die heutigen Schriftsteller, deren Feuilletons ich lese, hre ich nie sprechen. Darum mu ich jedem erst eine besondere Rolle zuweisen. Wenn ich einen Wiener Zeitungsartikel lese, hre ich einen Zahlkellner oder einen Hausierer, der mir vor Jahren einmal ein Taschenfeitel angehngt hat. Oder es ist eine Vorlesung bei der Hausmeisterin. Mit einem Wort, ich mu mich auf irgendeinen geistigen Dialekt einstellen, um mich durchzuschlagen. Aber es wird wohl die Stimme des Autors sein.


Eigene Gedanken mssen nicht immer neu sein. Aber wer einen neuen Gedanken hat, kann ihn leicht von einem andern haben.


Eine neue Erkenntnis mu so gesagt sein, da man glaubt, die Spatzen auf dem Dach htten nur durch einen Zufall versumt, sie zu pfeifen.


Es gibt Wahrheiten, durch deren Entdeckung man beweisen kann, da man keinen Geist hat.


Nicht immer darf ein Name genannt werden. Nicht, da einer es getan hat, sondern da es mglich war, soll gesagt sein.


Ein armseliger Hohn, der sich in Interpunktionen austobt und Rufzeichen, Fragezeichen und Gedankenstriche als Peitschen, Schlingen und Spiee verwendet.


Den Witz eines Witzigen erzhlen heit blo: einen Pfeil aufheben. Wie er abgeschossen wurde, sagt das Zitat nicht.


Einen Aphorismus zu schreiben, wenn man es kann, ist oft schwer. Viel leichter ist es, einen Aphorismus zu schreiben, wenn man es nicht kann.


Lebensberdrssig sein, weil man in seiner Arbeit einen Fehler gefunden hat, den kein anderer sieht; sich erst beruhigen, wenn man noch einen zweiten findet, weil dann den Fleck auf der Ehre die Erkenntnis der Unvollkommenheit menschlichen Bemhens deckt: durch solches Talent zur Qual scheint mir die Kunst vom Handwerk unterschieden. Flachdenker knnten diesen Zug fr Pedanterie halten; aber sie ahnen nicht, aus welcher Freiheit solcher Zwang geboren ist und zu welcher Leichtigkeit der Produktion solche Selbstbeschwerung leitet. Nichts wre trichter, als von Formtiftelei zu sprechen, wo Form nicht das Kleid des Gedankens ist, sondern sein Fleisch. Diese Jagd nach den letzten Ausdrucksmglichkeiten fhrt bis ins Eingeweide der Sprache. Hier wird jenes Ineinander geschaffen, bei dem die Grenze von Was und Wie nicht mehr feststellbar ist und worin oft vor dem Gedanken der Ausdruck war, bis er unter der Feile den Funken gab. Die Dilettanten arbeiten sicher und leben zufrieden. Ich habe oft schon um eines Wortes willen, das die Milligrammwaage meines Stilempfindens ablehnte, die Druckmaschine aufgehalten und das Gedruckte vernichten lassen. Die Maschine vergewaltigt den Geist, anstatt ihm zu dienen: so will er ihr den Herrn zeigen. Wann bin ich zu Ende, da das Erscheinen schlielich nicht verhindert werden kann und die ersehnte Csur des Schaffens doch nicht bringt? Ach, ich bin mit einer Arbeit erst fertig, wenn ich an eine andere gehe; so lange dauert meine "Autorkorrektur". So lange whrt auch die lebenswerte Narrheit, zu glauben, das Fehlen eines nachgeborenen Einfalls werde der Leser merken. Und gegenber einem Schreiben, das seine Unvollkommenheit so blutig bereut, hlt dieser Leser seine am Journalismus entartete Lesefhigkeit fr vollkommen. Er hat fr ein paar Groschen ein Recht auf Oberflchlichkeit erworben: kme er denn auf seine Kosten, wenn er auf die Arbeit eingehen mte? Es stnde vielleicht besser, wenn die deutschen Schriftsteller den zehnten Teil der Sorgfalt an ihre Manuskripte wenden wollten, die ich hinterher an meine Drucke wende. Ein Freund, der mir oft als Wehmutter beistand, staunte, wie leicht meine Geburten seien und wie schwer mein Wochenbett. Den anderen geht's gut. Sie arbeiten am Schreibtisch und vergngen sich in der Gesellschaft. Ich vergnge mich am Schreibtisch und arbeite in der Gesellschaft. Darum meide ich die Gesellschaft. Ich knnte die Leute hchstens fragen, ob ihnen dieses oder jenes Wort besser gefllt. Und das wissen die Leute nicht.


Man mu jedesmal so schreiben, als ob man zum ersten und zum letzten Male schriebe. So viel sagen, als ob's ein Abschied wre, und so gut, als bestnde man ein Debt.


Ich beherrsche die Sprache nicht; aber die Sprache beherrscht mich vollkommen. Sie ist mir nicht die Dienerin meiner Gedanken. Ich lebe in einer Verbindung mit ihr, aus der ich Gedanken empfange, und sie kann mit mir machen, was sie will. Ich pariere ihr aufs Wort. Denn aus dem Wort springt mir der junge Gedanke entgegen und formt rckwirkend die Sprache, die ihn schuf. Solche Gnade der Gedankentrchtigkeit zwingt auf die Knie und macht allen Aufwand zitternder Sorgfalt zur Pflicht. Die Sprache ist eine Herrin der Gedanken, und wer das Verhltnis umzukehren vermag, dem macht sie sich im Hause ntzlich, aber sie sperrt ihm den Scho.


Das lteste Wort sei fremd in der Nhe, neugeboren und mache Zweifel, ob es lebe. Dann lebt es. Man hrt das Herz der Sprache klopfen.


Es gibt einen produktiven Zweifel, der ber ein totes Ultimatum hinausgeht. Ich knnte Hefte mit den Gedanken fllen, die ich bis zu einem Gedanken, und Bnde mit jenen, die ich nach einem Gedanken gedacht habe.


Warum ist das Publikum so frech gegen die Literatur? Weil es die Sprache beherrscht. Die Leute wrden sich ganz ebenso gegen die andern Knste vorwagen, wenn es ein Verstndnismittel wre, sich anzusingen, sich mit Farbe zu beschmieren oder mit Gips zu bewerfen. Das Unglck ist eben, da die Wortkunst aus einem Material arbeitet, das der Bagage tglich durch die Finger geht. Darum ist der Literatur nicht zu helfen. Je weiter sie sich von der Verstndlichkeit entfernt, desto zudringlicher reklamiert das Publikum sein Material. Das Beste wre noch, die Literatur so lange vor dem Publikum zu verheimlichen, bis ein Gesetz zustande kommt, welches den Leuten die Umgangssprache verbietet und ihnen nur erlaubt, sich in dringenden Fllen einer Zeichensprache zu bedienen. Aber ehe dieses Gesetz zustande kommt, drften sie wohl gelernt haben, die Arie "Wie geht das Geschft?" mit einem Stilleben zu beantworten.


Was vom Stoff lebt, stirbt vor dem Stoffe. Was in der Sprache lebt, lebt mit der Sprache.


Der Gedankenlose denkt, man habe nur dann einen Gedanken, wenn man ihn hat und in Worte kleidet. Er versteht nicht, da in Wahrheit nur der ihn hat, der das Wort bat, in das der Gedanke hineinwchst.


Die Sprache sei die Wnschelrute, die gedankliche Quellen findet.


Weil ich den Gedanken beim Wort nehme, kommt er.


Der Gedanke ist in der Welt, aber man hat ihn nicht. Er ist durch das Prisma stofflichen Erlebens in Sprachelemente zerstreut: der Knstler schliet sie zum Gedanken.


Der Gedanke ist ein Gefundenes, ein Wiedergefundenes. Und wer ihn sucht, ist ein ehrlicher Finder, ihm gehrt er, auch wenn ihn vor ihm schon ein anderer gefunden htte.


Es gibt Vorahmer von Originalen. Wenn zwei einen Gedanken haben, so gehrt er nicht dem, der ihn frher hatte, sondern dem, der ihn besser hat.


Es gibt eine Zustndigkeit der Gedanken, die sich um ihren jeweiligen Aufenthalt wenig kmmert.


Man tadelte Herrn v. H. wegen eines schlechten Satzes. Mit Recht. Denn es stellte sich heraus, da der Satz von Jean Paul und gut war.


In Zeiten, die Zeit hatten, hatte man an der Kunst etwas aufzulsen. In einer Zeit, die Zeitungen hat, sind Stoff und Form zu rascherem Verstndnis getrennt. Weil wir keine Zeit haben, mssen uns die Autoren umstndlich sagen, was sich knapp gestalten liee.


Der lngste Atem gehrt zum Aphorismus.


Einer, der Aphorismen schreiben kann, sollte sich nicht in Aufstzen zersplittern.


Der Ausdruck sitze dem Gedanken nicht wie angemessen, sondern wie angegossen.


Wenn ein Gedanke in zwei Formen leben kann, so hat er es nicht so gut wie zwei Gedanken, die in einer Form leben.


Vom Knstler und dem Gedanken gelte das Nestroysche Wort: Ich hab einen Gefangenen gemacht und er lt mich nicht mehr los.


In der Kunst kommt es nicht darauf an, da man Eier und Fett nimmt, sondern da man Feuer und Pfanne hat.


Der Journalist ist vom Termin angeregt. Er schreibt schlechter, wenn er Zeit hat.


Ein Redner schrieb: "Mge die Stimme des Freundes nicht ungehrt verhallen!" - Die Stimme verhallt, weil sie gehrt wird. Das Wort kann auch ungehrt nicht verhallen.


Zur Entschuldigung eines Leseabends:

Literatur ist, wenn ein Gedachtes zugleich ein Gesehenes und ein Gehrtes ist. Sie wird mit Aug und Ohr geschrieben. Aber Literatur mu gelesen sein, wenn ihre Elemente sich binden sollen. Nur dem Leser (und nur dem, der ein Leser ist) bleibt sie in der Hand. Er denkt, sieht und hrt und empfngt das Erlebnis in derselben Dreieinigkeit, in der der Knstler das Werk gegeben hat. Man mu lesen, nicht hren, was geschrieben steht. Zum Nachdenken des Gedachten hat der Hrer nicht Zeit, auch nicht, dem Gesehenen nachzusehen. Wohl aber knnte er das Gehrte berhren. Gewi, der Leser hrt auch besser als der Hrer. Diesem bleibt ein Schall. Mge der stark genug sein, ihn als Leser zu werben, damit er nachhole, was er als Hrer versumt hat.


Man sagt, der Autor habe einen Einfall in Worte gekleidet. Das kommt daher, da das Schneidern eine seltenere Gabe ist als das Schreiben. Von jeder Sphre bezieht man Worte, nur nicht von der literarischen. Was macht der Dichter aus den Worten? Bilder. Oder er bringt sie zu plastischer Wirkung. Wann aber sagt man einmal, es sei ein Gedicht, und hat das hchste gesagt? Wenn es eine Omelette surprise ist.


Ein Original, dessen Nachahmer besser sind, ist keines.


Wenn in einem Satz ein Druckfehler stehengeblieben ist und er gibt doch einen Sinn, so war der Satz kein Gedanke.


Ich warne vor Nachdruck. Meine Stze leben nur in der Luft meiner Stze: so haben sie keinen Atem. Denn es kommt auf die Luft an, in der ein Wort atmet, und in schlechter krepiert selbst eines von Shakespeare.


Ein Werk der Sprache in eine andere Sprache bersetzt, heit, da einer ohne seine Haut ber die Grenze kommt und drben die Tracht des Landes anzieht.


Wenn man einem deutschen Autor nachsagt, er sei bei den Franzosen in die Schule gegangen, so ist es erst dann das hchste Lob, wenn es nicht wahr ist.


Ein Gedankenstrich ist zumeist ein Strich durch den Gedanken.


Wer nicht Temperament hat, mu Ornament haben. Ich kenne einen Schriftsteller, der es sich nicht zutraut, das Wort "Skandal" hinzuschreiben, und der deshalb "Skandalum" sagen mu. Denn es gehrt mehr Kraft dazu, als er hat, um im gegebenen Augenblick das Wort "Skandal" zu sagen.


Wer sich darauf verlegt, Prfixe zu tten, dem geht's nicht um die Wurzel. Wer weisen will, beweist nicht; wer kndet, hat nichts zu verknden.


Er meint nicht mich. Aber seine Unfhigkeit, sich so auszudrcken, da er mich nicht gemeint hat, ist doch ein Angriff gegen mich.


Wer von Berufs wegen ber die Grnde des Seins nachdenkt, mu nicht einmal so viel zustande bringen, um seine Fe daran zu wrmen. Aber beim Schuhflicken ist schon manch einer den Grnden des Seins nahe gekommen.


Im Epischen ist etwas von gefrorner berflssigkeit.


Ich habe gegen die Romanliteratur aus dem Grunde nichts einzuwenden, weil es mir zweckmig erscheint, da das, was mich nicht interessiert, umstndlich gesagt wird.


Der geistige Leser hat das strkste Mitrauen gegen jene Erzhler, die sich in exotischen Milieus herumtreiben. Der gnstigste Fall ist noch, da sie nicht dort waren. Aber die meisten sind so gearbeitet, da sie eine Reise tun mssen, um etwas zu erzhlen.


Moderne Architektur ist das aus der richtigen Erkenntnis einer fehlenden Notwendigkeit erschaffene berflssige.


Sie legen ihm die Hindernisse in den Weg, von denen er sie befreien wollte.


Zum erstenmal fhlen die Kunstmaurer, wie sie das Leben als tabula rasa anstarrt. Das htten wir auch gekonnt! rufen sie, nachdem sie sich erholt haben, whrend er [es?] vor ihren Schnrkeln bekennen mu, da er [es?] es nie vermocht htte.


Kokoschka hat ein Portrt von mir gemacht. Schon mglich, da mich die nicht erkennen werden, die mich kennen. Aber sicher werden mich die erkennen, die mich nicht kennen.


An einem wahren Portrt mu man erkennen, welchen Maler es vorstellt.


Variet. Der Humor der Knockabouts ist heute der einzige Humor von Weltanschauung. Weil er tieferen Grund hat, scheint er grundlos zu sein wie die Aktion, die er bietet. Grundlos ist das Lachen, das er in unserer Region auslst. Wenn ein Mensch pltzlich auf allen vieren liegt, so ist es eine primitive Kontrastwirkung, der sich schlichte Gemter nicht entziehen knnen. Ein feineres Verstndnis setzt schon die Darstellung eines Zeremonienmeisters voraus, der auf dem Parkett hinplumpst. Es wre die Ad-absurdum-Fhrung der Wrde, der Umstndlichkeit, des dekorativen Lebens. Diesen Humor zu verstehen, bietet die mitteleuropische Kultur alle Voraussetzung. Der Humor der Clowns hat hier keine Wurzel. Wenn sie einander auf den Bauch springen, so kann blo die Komik der vernderten Lage, des unvorhergesehenen Malheurs verfangen. Aber der amerikanische Humor ist die Ad-absurdum-Fhrung eines Lebens, in dem der Mensch Maschine geworden ist. Der Verkehr spielt sich ohne Hindernisse ab; darum ist es plausibel, da einer zum Fenster hereingeflogen kommt und zur Tr wieder hinausgeworfen wird, die er gleich mitnimmt. Das Leben ist eben ungemein vereinfacht. Da der Komfort das oberste Prinzip ist, so versteht es sich von selbst, da man Bier haben kann, wenn man einen Menschen anzapft und ein Gef unter die ffnung hlt. Die Leute schlagen einander mit der Hacke auf den Schdel und fragen zartfhlend: Haben Sie das bemerkt? Es ist ein unaufhrliches Gemetzel der Maschinen, bei dem kein Blut fliet. Das Leben hat einen Humor, der ber Leichen geht, ohne weh zu tun. Warum diese Gewaltttigkeit? Sie ist blo eine Kraftprobe auf die Bequemlichkeit. Man drckt auf einen Knopf, und ein Hausknecht stirbt. Was lstig ist, wird aus dem Weg gerumt. Balken biegen sich auf Wunsch, alles geht flott vonstatten, mig ist keiner. Nur ein Papierschnitzel will auf einmal nicht parieren. Es bleibt nicht liegen, wenn man es der Bequemlichkeit halber hingeworfen hat, es geht immer wieder in die Hhe. Das ist rgerlich, und man sieht sich gezwungen, es mit dem Hammer zu bearbeiten. Noch immer zuckt es. Man will es erschieen. Man sprengt es mit Dynamit. Ein unerhrter Apparat wird aufgeboten, um es zu beruhigen. Das Leben ist furchtbar kompliziert geworden. Schlielich geht alles drunter und drber, weil irgendein Ding in der Natur sich dem System nicht fgen wollte ... Vielleicht ein Fetzen Sentimentalitt, den ein Defraudant aus Europa herbergebracht hatte.


Der Brger duldet nichts Unverstndliches im Haus.


Der Erzhler ist fr die Leute da? Wenn die Abende lang werden? Man krze sie ihnen anders! Ihnen noch etwas erzhlen? Bevor die Nacht kommt, etwas Spannendes? Etwas in Lieferungen? Strychnin und die Folter! Der Abend dauert zu lange.


Meine Angriffe sind so unpopulr, da erst die Schurken, die da kommen werden, mich verstehen werden.


Ich mache kleine Leute durch meine Satire so gro, da sie nachher wrdige Objekte fr meine Satire sind und mir kein Mensch mehr einen Vorwurf machen kann.


Es gibt Leute, die sich schlechter, als es notwendig ist, benehmen, damit mir bel werde, ehe ich sie angreife. Doch sie geben sich einer falschen Hoffnung hin, da sie zwar jenes bewirken, aber dieses nicht verhindern knnen. So unappetitlich kann gar keiner sein, da ich ihn nicht angreife.


Tadler und Lober sind unerwnschte Zeugen. Die am Ufer stecken ihre Fe ins Wasser, um zu beweisen, da es schmutzig sei. Die am Ufer nehmen eine hohle Hand voll, um die Schnheit des Elements darzutun.


Vor jedem Kunstgenu stehe die Warnung: Das Publikum wird ersucht, die ausgestellten Gegenstnde nur anzusehen, nicht zu begreifen.


Wenn der Leser den Autor fragt, was er sich dabei gedacht habe, so beweist das nichts gegen den Gedanken. Aber er ist sicher gut, wenn der Autor es nicht mehr wei und den Leser fragt, was er sich dabei gedacht habe.


Logik ist die Feindin der Kunst Aber Kunst darf nicht die Feindin der Logik sein. Logik mu der Kunst einmal geschmeckt haben und von ihr vollstndig verdaut worden sein. Um zu behaupten, da zweimal zwei fnf ist, hat man zu wissen, da zweimal zwei vier ist. Wer freilich nur dieses wei, wird sagen, jenes sei falsch.


Ich beherrsche nur die Sprache der andern. Die meinige macht mit mir, was sie will.


Wenn ich der Vollendung nahe bin, beginne ich erst zu zweifeln, und da brauche ich darin einen, dem ich alle meine Fragen beantworte.


Der Journalist hat das Wort bei der Hand. Ich bin oft in Verlegenheit! Htt ich nur einen Journalisten bei der Hand! Ich nhm ihm das Wort aus der Hand und gb ihm dafr einen Schlag auf die Hand.


Er wollt es brechen, da sagt' es fein: Soll ich zum Welken gebrochen sein? Ich grub's mit allen den Wrzlein aus . . . Aber selbst verwelkt, lt sich das Wort noch zum Fortblhen bringen.


Das Hauptwort ist der Kopf, das Zeitwort ist der Fu, das Beiwort sind die Hnde. Die Journalisten schreiben mit den Hnden.


Die Phrase ist manchmal doch einer gewissen Plastik fhig. Von einem Buch, das als Reiselektre empfohlen wurde, hie es: "Und wer das Buch zu lesen beginnt, liest es in einem Zuge durch."


Ein X. sagte geringschtzig, da von mir nicht mehr bleiben werde als ein paar gute Witze. Das wre immerhin etwas, aber leider bleibt auch das nicht, weil mir die paar guten Witze lngst gestohlen wurden, und zwar vom X.


Ein Knstler, der Erfolg hat, mu den Kopf nicht hngenlassen. Er soll erst dann an sich verzweifeln, wenn ein Schwindler durchfllt.


Die meisten Kritiker schreiben Kritiken, die von den Autoren sind, ber die sie die Kritiken schreiben. Das wre noch nicht das schlimmste. Aber die meisten Autoren schreiben dann auch die Werke, die von den Kritikern sind, die ber sie Kritiken schreiben.


Manche Talente bewahren ihre Frhreife bis ins spte Alter.


Ein Gedicht ist so lange gut, bis man wei, von wem es ist.


Dieser Autor ist so tief, da ich als Leser lange gebraucht habe, um ihm auf die Oberflche zu kommen.


Ein Literaturprofessor meinte, da meine Aphorismen nur die mechanische Umdrehung von Redensarten seien. Das ist ganz zutreffend. Nur hat er den Gedanken nicht erfat, der die Mechanik treibt: da bei der mechanischen Umdrehung der Redensarten mehr herauskommt als bei der mechanischen Wiederholung. Das ist das Geheimnis des Heutzutag, und man mu es erlebt haben. Dabei unterscheidet sich aber die Redensart noch immer zu ihrem Vorteil von einem Literaturprofessor, bei dem nichts herauskommt, wenn ich ihn auf sich beruhen lasse, und wieder nichts, wenn ich ihn mechanisch umdrehe.


Ich bin vielleicht der erste Fall eines Schreibers, der sein Schreiben zugleich schauspielerisch erlebt. Wrde ich darum einem andern Schauspieler meinen Text anvertrauen? Nestroys Geistigkeit ist unbhnenhaft. Der Schauspieler Nestroy wirkte, weil er etwas, was kein Hrer verstanden htte, so schnell heruntersprach, da es kein Hrer verstand.


Solange die Malerei nicht den Leuten was malt und die Musik ihnen nicht heimgeigt, halte ich's mit der Literatur; da kann man mit ihnen deutsch reden.

In mir verbindet sich eine groe Fhigkeit zur Psychologie mit der greren, ber einen psychologischen Bestand hinwegzusehen.

Knstler ist nur einer, der aus der Lsung ein Rtsel machen kann.




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