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Des Pfarrers Tochter von Taubenhain

Gottfried August Brger

Im Garten des Pfarrers von Taubenhain
Geht's irre bei Nacht in der Laube.
Da flstert und sthnt's so ngstiglich;
Da rasselt, da flattert und strubst es sich,
Wie gegen den Falken die Taube.

Es schleicht ein Flmmchen am Unkenteich,
Das flimmert und flammert so traurig.
Da ist ein Pltzchen, da wchst kein Gras;
Das wird vom Tau und vom Regen nicht na;
Da wehen die Lftchen so schaurig. -

Des Pfarrers Tochter von Taubenhain
War schuldlos, wie ein Tubchen.
Das Mdel war jung, war lieblich und fein,
Viel ritten der Freier nach Taubenhain,
Und wnschten Rosetten zum Weibchen. -

Von drben herber, von drben herab,
Dort jenseits des Baches vom Hgel,
Blinkt stattlich ein Schlo auf das Drfchen im Tal,
Die Mauern wie Silber, die Dcher wie Stahl,
Die Fenster wie brennende Spiegel.

Da trieb es der Junker von Falkenstein,
In Hll und in Fll und in Freude.
Dem Jngferchen lacht' in die Augen das Schlo,
Ihm lacht' in das Herzchen der Junker zu Ro,
Im funkelnden Jgergeschmeide. -

Er schrieb ihr ein Briefchen auf Seidenpapier,
Umrndelt mit goldenen Kanten.
Er schickt' ihr sein Bildnis, so lachend und hold,
Versteckt in ein Herzchen von Perlen und Gold;
Dabei war ein Ring mit Demanten. -

"La du sie nur reiten, und fahren und gehn!
La du sie sich werben zu Schanden!
Rosettchen, dir ist wohl was Bessers beschert.
Ich achte des stattlichsten Ritters dich wert,
Beliehen mit Leuten und Landen.

Ich hab ein gut Wrtchen zu kosen mit dir;
Das mu ich dir heimlich vertrauen.
Drauf htt ich gern heimlich erwnschten Bescheid.
Lieb Mdel, um Mitternacht bin ich nicht weit;
Sei wacker und la dir nicht grauen!

Heut Mitternacht horch auf den Wachtelgesang,
Im Weizenfeld hinter dem Garten.
Ein Nachtigallmnnchen wird locken die Braut,
Mit lieblichem tief auffltenden Laut;
Sei wacker und la mich nicht warten!" -

Er kam in Mantel und Kappe vermummt,
Er kam um die Mitternachtstunde.
Er schlich, umgrtet mit Waffen und Wehr,
So leise so lose, wie Nebel, einher,
Und stillte mit Brocken die Hunde.

Er schlug der Wachtel hellgellenden Schlag,
Im Weizenfeld hinter dem Garten.
Dann lockte das Nachtigallmnnchen die Braut,
Mit lieblichem tief auffltenden Laut;
Und Rschen, ach! - lie ihn nicht warten. -

Er wute sein Wrtchen so traulich und s
In Ohr und Herz ihr zu girren! -
Ach, Liebender Glauben ist willig und zahm!
Er sparte kein Locken, die schchterne Scham
Zu seinem Gelste zu kirren.

Er schwur sich bei allem, was heilig und hehr,
Auf ewig zu ihrem Getreuen.
Und als sie sich strubte, und als er sie zog,
Verma er sich teuer, verma er sich hoch:
"Lieb Mdel, es soll dich nicht reuen!"

Er zog sie zur Laube, so dster und still,
Von blhenden Bohnen umdftet.
Da pocht' ihr das Herzchen; da schwoll ihr die Brust;
Da wurde vom glhenden Hauche der Lust
Die Unschuld zu Tode vergiftet. - - -

Bald, als auf duftendem Bohnenbeet
Die rtlichen Blumen verblhten,
Da wurde dem Mdel so bel und weh;
Da bleichten die rosichten Wangen zu Schnee;
Die funkelnden Augen verglhten.

Und als die Schote nun allgemach
Sich dehnt' in die Breit und Lnge;
Als Erdbeer und Kirsche sich rtet' und schwoll;
Da wurde dem Mdel das Brstchen zu voll,
Das seidene Rckchen zu enge.

Und als die Sichel zu Felde ging,
Hub's an sich zu regen und strecken.
Und als der Herbstwind ber die Flur,
Und ber die Stoppel des Habers fuhr,
Da konnte sie's nicht mehr verstecken.

Der Vater, ein harter und zorniger Mann,
Schalt laut die arme Rosette:
"Hast du dir erbuhlt fr die Wiege das Kind,
So hebe dich mir aus den Augen geschwind
Und schaff auch den Mann dir ins Bette!"

Er schlang ihr fliegendes Haar um die Faust;
Er hieb sie mit knotigen Riemen.
Er hieb, das schallte so schrecklich und laut!
Er hieb ihr die samtene Lilienhaut
Voll schwellender blutiger Striemen.

Er stie sie hinaus in der finstersten Nacht
Bei eisigem Regen und Winden.
Sie klimmt' am dornigen Felsen empor,
Und tappte sich fort, bis an Falkensteins Tor,
Dem Liebsten ihr Leid zu verknden. -

"O weh mir da du mich zur Mutter gemacht,
Bevor du mich machtest zum Weibe!
Sieh her! Sieh her! Mit Jammer und Hohn
Trag ich dafr nun den schmerzlichen Lohn,
An meinem zerschlagenen Leibe!"

Sie warf sich ihm bitterlich schluchzend ans Herz;
Sie bat, sie beschwur ihn mit Zhren:
"O mach es nun gut, was du bel gemacht!
Bist du es, der so mich in Schande gebracht,
So bring auch mich wieder zu Ehren!" -

"Arm Nrrchen", versetzt' er, "das tut mir ja leid!
Wir wollen's am Alten schon rchen.
Erst gib dich zufrieden und harre bei mir!
Ich will dich schon hegen und pflegen allhier.
Dann wollen wir's ferner besprechen." -

"Ach, hier ist kein Sumen, kein Pflegen, noch Ruhn!
Das bringt mich nicht wieder zu Ehren.
Hast du einst treulich geschworen der Braut,
So la auch an Gottes Altare nun laut
Vor Priester und Zeugen es hren!" -

"Ho, Nrrchen, so hab ich es nimmer gemeint!
Wie kann ich zum Weibe dich nehmen?
Ich bin ja entsprossen aus adligem Blut.
Nur Gleiches zu Gleichem gesellet sich gut;
Sonst mte mein Stamm sich ja schmen.

Lieb Nrrchen, ich halte dir's, wie ich's gemeint:
Mein Liebchen sollst immerdar bleiben.
Und wenn dir mein wackerer Jger gefllt,
So la ich's mir kosten ein gutes Stck Geld.
Dann knnen wir's ferner noch treiben." -

"Da Gott dich! - du schndlicher, bbischer Mann! -
Da Gott dich zur Hlle verdamme! -
Entehr ich als Gattin dein adliges Blut,
Warum denn, o Bsewicht, war ich einst gut,
Fr deine unehrliche Flamme? -

So geh dann und nimm dir ein adliges Weib! -
Das Blttchen soll schrecklich sich wenden!
Gott siehet und hret und richtet uns recht.
So msse dereinst dein niedrigster Knecht
Das adlige Bette dir schnden! -

Dann fhle, Verrter, dann fhle wie's tut,
An Ehr und an Glck zu verzweifeln!
Dann sto an die Mauer die schndliche Stirn,
Und jag eine Kugel dir fluchend durch's Hirn!
Dann, Teufel, dann fahre zu Teufeln!" -

Sie ri sich zusammen, sie raffte sich auf,
Sie rannte verzweifelnd von hinnen,
Mit blutigen Fen, durch Distel und Dorn,
Durch Moor und Gerhricht, vor Jammer und Zorn
Zerrttet an allen fnf Sinnen.

"Wohin nun, wohin, o barmherziger Gott,
Wohin nun auf Erden mich wenden?" -
Sie rannte, verzweifelnd an Ehr und an Glck,
Und kam in den Garten der Heimat zurck,
Ihr klgliches Leben zu enden.

Sie taumelt', an Hnden und Fen verklomt,
Sie kroch zur unseligen Laube;
Und jach durchzuckte sie Weh auf Weh,
Auf rmlichem Lager, bestreuet mit Schnee,
Von Reisicht und rasselndem Laube.

Es wand ihr ein Knbchen sich weinend vom Scho,
Bei wildem unsglichen Schmerze.
Und als das Knbchen geboren war,
Da ri sie die silberne Nadel vom Haar,
Und stie sie dem Knaben ins Herze.

Erst, als sie vollendet die blutige Tat,
Mut ach! ihr Wahnsinn sich enden.
Kalt wehten Entsetzen und Grausen sie an. -
"O Jesu, mein Heiland, was hab ich getan?"
Sie wand sich das Bast von den Hnden.

Sie kratzte mit blutigen Ngeln ein Grab,
Am schilfigen Unkengestade.
"Da ruh du, mein Armes, da ruh nun in Gott,
Geborgen auf immer vor Elend und Spott!
Mich hacken die Raben vom Rade!" - -

Das ist das Flmmchen am Unkenteich;
Das flimmert und flammert so traurig.
Das ist das Pltzchen, da wchst kein Gras;
Das wird vom Tau und vom Regen nicht na;
Da wehen die Lftchen so schaurig!

Hoch hinter dem Garten vom Rabenstein,
Hoch ber dem Steine vom Rade
Blickt, hohl und dster, ein Schdel herab,
Das ist ihr Schdel, der blicket aufs Grab,
Drei Spannen lang an dem Gestade.

Allnchtlich herunter vom Rabenstein,
Allnchtlich herunter vom Rade
Huscht bleich und molkicht ein Schattengesicht,
Will lschen das Flmmchen, und kann es doch nicht,
Und wimmert am Unkengestade.




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