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Ich kenn ein Haus, ein Freudenhaus

Clemens Brentano

Ich kenn ein Haus, ein Freudenhaus,
Es hat geschminkte Wangen,
Es hngt ein bunter Kranz heraus,
Drin liegt der Tod gefangen.

In meinem Mantel trag ich hin
Biskuit und se Weine,
Der Himmel wei wohl, wer ich bin,
Die Welt schimpft, was ich scheine.

Die eine liest mir in der Hand
Sie will mein Unglck lesen,
Die andre malt mich an die Wand,
Und nennt mich holdes Wesen.

Die dritte wei sich flink zu drehn
Es schwindeln mir die Sinne
Und jede dieser bsen Feen
Sucht, wie sie mich umspinne.

Doch dorten auf den Arm gelehnt
Sitzt eine stumm und weinet,
Sie hat sich lngst mit Gott vershnt,
Und sitzet doch und weinet.

Was will sie noch in diesem Haus,
Sie mu den Spott erleiden,
Es zischt der freche Chor sie aus,
Du kannst uns doch nicht meiden.

Sie schweigt und weint und trgt den Hohn
Den schweren Berorden.
Man zuckt die Achseln, kennt sie schon,
Sie ist zur Nrrin worden.

Doch ich berhr um sie allein
Die himmelschreinde Schwelle,
Bei ihr, tret ich zum Saal herein,
Ist meine feste Stelle.

Sie achtet's nicht, sie blickt nicht auf.
Wenn alle tanzend fliegen,
Seh ich mit stetem Trnenlauf
Das bleiche Haupt sie wiegen,

So hundert Tage ohne Ruh
Sah ich sie wanken, weinen
Und sprach, o Weib, welch Kind wiegst du?
Will denn kein Schlaf erscheinen?

Du hast dem Leid genug getan,
Gib mir's, ich will dir's tragen.
Da schrie ihr Blick mich schneidend an,
Doch konnt ihr Mund nichts sagen,

Und neulich nachts, um Mitternacht,
Kam ich mit meiner Laute,
Die Pforte hat sie aufgemacht,
Die noch am Fenster schaute.

Sie zieht mich in den Garten fort,
Sitzt auf ein Hglein nieder,
Gibt keinen Blick und gibt kein Wort,
Und weinet stille wieder.

Zu ihren Fen sa ich hin,
Und ehrte ihren Kummer,
Da hat mir Gott ein Lied verliehn,
Ich sang sie in den Schlummer.

Ich sang so kindlich, sang so fromm,
Ach sng ich je so wieder!
O Ruhe komm, ach Friede komm,
K ihre Augenlider!

Und da sie schlief, da stieg so hold
Ein Kindlein aus dem Hgel,
Trug einen Kranz von Flittergold
Und einen Taschenspiegel,

Und brach ein Zweiglein Rosmarin,
Das ihm am Herzen grnet,
Und legt' es auf die Mutter hin,
Und sprach: Gott ist vershnet.

Und wo den Rosmarin es brach,
Da bluteten zwei Wunden,
Und als es kaum die Worte sprach,
Ist es vor mir verschwunden.

Die Mutter ist nicht mehr erwacht
Noch schlft sie in dem Garten,
Ich steh und sing die ganze Nacht,
Kann wohl den Tag erwarten,

Da ruft mich Zucht und Ehr und Pflicht
Aus diesem Haus der Snde,
Doch von der Mutter la ich nicht
Ob ihrem armen Kinde.

Es winkt zurck, wenn ich will gehn,
Sitzt an des Hgels Schwelle,
Und kann nicht aus dem Spiegel sehn,
Sein Flitterkranz glnzt helle.

Es brach das Haus, der Kranz fiel ab,
Fiel auf den Sarg der Frauen,
Ich blieb getreu, tt bei dem Grab
Mir eine Htte bauen.

Und da die Schuld nicht mehr erwacht,
Will ich da ewig singen,
Bis Jesus richtend bricht die Nacht,
Bis die Posaunen klingen.

Oft mit dem Kind in Sturm und Wind,
Sing ich auf meinen Knieen,
O Jesus! du gemordet Kind
Du hast ja auch verziehen!

Ein Trpflein deines Blutes nur
La auf die Mutter fallen,
Das macht uns rein und klar und pur,
Da wir zum Lichte wallen.




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