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Die Vergeltung

Annette von Droste-Hlshoff

I.

Der Kapitn steht an der Spiere,
Das Fernrohr in gebrunter Hand,
Dem schwarzgelockten Passagiere
Hat er den Rcken zugewandt.
Nach einem Wolkenstreif in Sinnen
Die beiden wie zwei Pfeiler sehn,
Der Fremde spricht: Was braut da drinnen?
Der Teufel, brummt der Kapitn.

Da hebt von morschen Balkens Trmmer
Ein Kranker seine feuchte Stirn,
Des thers Blau, der See Geflimmer,
Ach, alles qult sein fiebernd Hirn!
Er lt die Blicke, schwer und dster,
Entlngs dem harten Pfhle gehn,
Die eingegrabnen Worte liest er:
Batavia. Fnfhundertzehn.

Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde
Das Schiff chzt auf der Wellen Hhn,
Gezisch, Geheul aus wstem Grunde,
Die Bohlen weichen mit Gesthn.
Jesus, Marie! wir sind verloren!
Vom Mast geschleudert der Matros',
Ein dumpfer Krach in aller Ohren,
Und langsam lst der Bau sich los.

Noch liegt der Kranke am Verdecke,
Um seinen Balken fest geklemmt,
Da kommt die Flut, und eine Strecke
Wird er ins wste Meer geschwemmt.
Was nicht gelng' der Krfte Sporne,
Das leistet ihm der starre Krampf,
Und wie ein Narwal mit dem Horne
Schiet fort er durch der Wellen Dampf

Wie lange so? er wei es nimmer,
Dann trifft ein Strahl des Auges Ball,
Und langsam schwimmt er mit der Trmmer
Auf dem glitzerndem Kristall.
Das Schiff! - die Mannschaft! - sie versanken.
Doch nein, dort auf der Wasserbahn,
Dort sieht den Passagier er schwanken
In einer Kiste morschem Kahn.

Armsel'ge Lade! sie wird sinken,
Er strengt die heisre Stimme an:
Nur grade! Freund, du drckst zur Linken!
Und immer nher schwankt's heran,
Und immer nher treibt die Trmmer,
Wie ein verwehtes Mwennest;
Courage! ruft der kranke Schwimmer,
Mich dnkt ich sehe Land im West!

Nun rhren sich der Fhren Ende,
Er sieht des fremden Auges Blitz,
Da pltzlich fhlt er starke Hnde,
Fhlt wtend sich gezerrt vom Sitz.
Barmherzigkeit! ich kann nicht kmpfen.
Er klammert dort, er klemmt sich hier;
Ein heisrer Schrei, den Wellen dmpfen,
Am Balken schwimmt der Passagier.

Dann hat er krftig sich geschwungen,
Und schaukelt durch das de Blau,
Er sieht das Land wie Dmmerungen
Enttauchen und zergehn in Grau.
Noch lange ist er so geschwommen,
Umflattert von der Mve Schrei,
Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,
Viktoria! nun ist er frei!

II.

Drei kurze Monde sind verronnen,
Und die Fregatte liegt am Strand,
Wo mittags sich die Robben sonnen,
Und Bursche klettern bern Rand,
Den Mdchen ist's ein Abenteuer
Es zu erschaun vom fernen Riff,
Denn noch zerstrt ist nicht geheuer
Das greuliche Korsarenschiff.

Und vor der Stadt da ist ein Waten,
Ein Whlen durch das Kiesgeschrill,
Da die verrufenen Piraten
Ein jeder sterben sehen will.
Aus Strandgeblken, morsch, zertrmmert,
Hat man den Galgen, dicht am Meer,
In wster Eile aufgezimmert.
Dort drut er von der Dne her!

Welch ein Getmmel an den Schranken! -
Da kommt der Frei - der Hessel jetzt -
Da bringen sie den schwarzen Franken,
Der hat geleugnet bis zuletzt.
Schiffbrchig sei er hergeschwommen,
Hhnt eine Alte: ei, wie khn!
Doch keiner sprach zu seinem Frommen,
Die ganze Bande gegen ihn.

Der Passagier, am Galgen stehend,
Hohlugig, mit zerbrochnem Mut,
Zu jedem Ruber flstert flehend:
Was tat dir mein unschuldig Blut?
Barmherzigkeit! - so mu ich sterben
Durch des Gesindels Lgenwort,
O, mg' die Seele euch verderben!
Da zieht ihn schon der Scherge fort.

Er sieht die Menge wogend spalten -
Er hrt das Summen im Gewhl -
Nun wei er, da des Himmels Walten
Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!
Und als er in des Hohnes Stolze
Will starren nach den therhhn,
Da liest er an des Galgens Holze:
Batavia. Fnfhundertzehn.




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