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Das Ei des Kolumbus
von: Paul Pfeffer
Ballade
von: Paul Pfeffer

Das Ei des Kolumbus

Geschrieben von: Paul Pfeffer

Zurückgekehrt von seinen großen Fahrten,
sitzt Kolumbus an der reichen Tafel.
Und mit steilen Falten auf der Stirne
hört er eines reichen Herrn Geschwafel:

Das mit der Entdeckung neuer Welten
sei im Grund doch gar nicht interessant.
Man fahre einfach immerzu nach Westen
und stoße schließlich auf ein fremdes Land.

Kolumbus hört's. Es kommt ihm ein Gedanke.
Ein Ei verlangt er! Alle schaun ihn an.
Und den reichen Schwätzer scharf fixierend,
rückt er näher an den Tisch heran.

"Wer von diesen edlen Herrn und Damen",
hebt Kolumbus an und lächelt leise,
"kann dies Ei auf seine Spitze stellen,
ganz egal auf welche Art und Weise?"

Und nach kurzem Zögern will's ein jeder wissen,
ja, sie reißen sich schon fast darum.
Doch die Eier, die sie auf die Platte stellen,
fallen alle nacheinander um.

Da sagt Kolumbus unverändert lächelnd:
"Schaut her! Ich will euch zeigen, wie es geht."
Er nimmt das Ei. Mit einem leichten Schlage
stellt er es auf die Spitze. Und es steht!

Mit großen Augen und mit offenen Mündern
verfolgen es die edlen Herrn und Damen.
Und jener reiche Herr von vorhin zischelt:
"So kann's ein jeder doch, in Teufels Namen!"

Kolumbus schweigt. Sein Lächeln ist verschwunden.
Jetzt sieht man ihm den harten Seemann an.
Metallen klingt's in das gespannte Schweigen:
"Es k a n n ein jeder. Ich aber hab's g e t a n !"

Und man begreift die Wahrheit dieser Worte.
Er hat getan, was andre nur gedacht.
Doch auch das Ei soll nicht vergessen werden:
Kolumbus hat's dabei kaputtgemacht.




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