Vom Rosenmann
Geschrieben von: Julian Schönhoff
Die Sonne strahlt, ein schöner Tag
der Schatten malt, wie ich es mag.
Im Garten sitzend, weil ich hier
Figuren schnitzend, denk ich mir:
Garten, Garten, welche Wonne
Rosen, Rosen, in der Sonne
Schön, wie schön, mein Lebenssaft
Schöpfe, Schöpfe, meine Kraft.
Die Erde bebt, das Licht verdunkelt
der Berg erhebt, ein Auge funkelt.
Der Schrei erklingt, ein wütend Ton
kein Vogel singt, dort kommt er schon
Flieht so flieht! Er ist erwacht!
Flieht so flieht! Gewaltge Macht!
Häuser wanken, Kirchturm fällt,
Schrecken ranken, in die Welt.
Rasend, rasend, ohn Kontrolle
Rasend, rasend, ohn Sinn und Rolle
Bumm ba bumm, der große fiese
Flieht, so flieht! der Donnerriese!
Keule, Keule, die er schwinkt
stürze Säule, sie zerspringt
Das starke Tor, die heile Welt
Starker Schwinger, Tor zerfällt.
Luft, die Luft, wohl tief geholt
grausam ruft, was tot gewollt:
"Komm erschein, du alter Narr!
Rache, Rache, für was war!"
Aug, sein Aug, es suchend rast
im Garten sitzend, mich erfasst.
"Fünzig Jahre, musst ich warten
verflucht seist du, mit deinem Garten!"
"Macht, so macht, den Weg mir frei!"
Die Keule saust, schon trifft er drei.
Wachen, Wachen, voll Mut und Stolz
gestürmt, gefällt, vom Riesenholz.
Rennent, rennent, so Erde beb
stürmt er zu mir, ich mich erheb.
Hauser, Schilder, alles zermalmt
zerstört, zerstört, die Stadt, sie qualmt.
Nah, ganz nah, ist er bei mir
Beim Duft der Rosen, weil ich hier
Die Keule sinkt, ein starker Schlag
geschwind, geschwind, die Formel sag:
Garten, Garten, welche Wonne
Rosen, Rosen, in der Sonne
Schön, wie schön, mein Lebenssaft
Schöpfe, Schöpfe, meine Kraft.
Schlag, der Schlag, so ganz ins leere
aufgelöst, als Luft ich wäre
Rosen, Rosen, wie sie wachsen
"Narr, du Narr und deine faxen!"
Rosen, Rosen, sie bilden aus
Arme, Beine, Schreck oh Graus
Mannesgröße, dicht an dicht
hundert Mann, mit mei'm Gesicht!
"Riese, Riese!", schreit der Chor
"Riese, Riese, stell dir vor
bist blind vor wut, zerstörst im Wahn
beruhige dich, und hör mich an!"
Nun, doch nun, wählt er kein Wort
er wütet, stampft, am Rosenort
Ich weiche aus, als hundert Mann
wird er mich töten, wenn er kann.
"Die Zeit, die Zeit, sie steht bevor
wird dich beruhigen, großer Thor
lass das Wüten, werde heiter
bis dahin, so schlafe weiter!"
Sturm, der Sturm, aus hundert Mann
wir weichen aus, wir greifen an
Keule, Keule, die er schwinkt
der den er trifft, zu Boden sinkt
Ein Ich, ein Ich, im Boden sinkt
zur Rank'geworden, ihn umringt
Die Arme straff, zum Boden hin
Gefang, gefang, so hab ich ihn
Gefang, gefang, so kniet er hier
Wütend, fluchend, direkt vor mir
Zwei von mir, sie stürmen drauf
des Riesen Mund, reißen sie auf
Offen, offen, ist sein Mund
wir stürzen los, tief in den Schlund
Ries wird ruhig, hört auf zu wüten
sein Mund gefüllt, mit Rosenblüten
Sinkt, so sinkt, der große fiese
träumt so träumt, der Donnerriese
Die Erde schluckt, was ihr entrann
Siegt, so siegt, der Rosenmann
Riese, Riese, wo er verlor
ragt Himmelwärts, ein Berg empor
Schlummert tief, mit seiner Macht
ruhig, ganz ruhig, bis er erwacht.
"Welt, die Welt, sie soll vergessen
was nicht normal, nicht angemessen"
Lös mich auf, verschwund'ner Held
gelöschtes Bild, vergesse Welt!
Held, der Held, ist er nun fort?
Schweige, schaue, siehst du dort
wo der Riese, bald schon wieder fegt
Der Berg, der Berg, die Rose trägt.
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