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Der Herr

Geschrieben von: Anneli Treibig

Auf einem Sessel aus rotem Plüsch,
vor einem opulent gedeckten Tisch;
da aß ein Herr mit großer Gier,
ein frisch gegartes wildes Tier.
Madeira Trüffel in Timbala gesetzt,
hatte er noch mit Butter benetzt.

Stimmungsvoll brannte das Kerzenlicht.
Es warf Schatten auf sein Gesicht.
Ein Tannenzweig in frischem Grün,
zwischen dem noch Orchideen blüh`n,
lag kunstvoll auf dem Tisch mit Kerzen,
daneben der Herr mit großen Schmerzen.

Er zog sich hoch, mit zitternden Händen,
mit glasigen Augen und schwankenden Wänden,
verlor er den Halt unter den Füßen.
Wer nahm ihm das Recht, die Nacht zu genießen?
Am Boden liegend, den Willen gebrochen,
spürte er im Rücken ein leichtes Pochen.

,,He, wach auf, laß' Dir jetzt was sagen,
ein wenig aus Deinen vergangenen Tagen.
Du hast nur gelebt, Du hast nichts getaugt,
Deine Frau, Deine Kinder ausgelaugt.
Du hast die Dich liebten, nur geschändet
und ihr Hab' und Gut verpfändet!''

Wieder und wieder spürte er das Klopfen.
Er möchte dem Peiniger den Mund verstopfen.
Er schrie:,,Wer bist Du, Du ekelhafter Feind?
Haben wir uns jemals vereint,
zu irgendwelchen großen Worten,
an geheimen oder bekannten Orten?''

,, Ich bin der Hass, der in Dir steckt,
was ist, Du tust, als hätte ich Dich erschreckt.
Von Dir wurde ich transformiert.
Für Dich habe ich das Gute isoliert.
Du sagtest: Weihnachten in fünf Jahren,
werde ich meinen Lohn erfahren!''

,, Ach, laß mich los, an dieser Stelle,
such Dir eine and're Quelle!''
Wispert der Herr, mit leisem Keuchen.
,, Helft mir den Alptraum zu verscheuchen!
Wie kann der Hass denn Jemand sein?
Er ist in mir, ich bin's allein!''

,,Zweifelst Du an meinem Wesen?
Bin ich nicht immer da gewesen,
um den Glauben Dir zu nehmen,
Deine Liebe Dir zu lähmen.
Um die Gefühle Dich zu bringen,
ließ Reichtum dafür für Dich klingen!

Es ging Dir mit mir immer gut,
ich gab Dir für Deine Verbrechen Mut.
Du willst mich hier und jetzt nicht kennen,
soll ich Dir die Taten nennen?
Mein Herr, das ist der wahre Hohn.
Ich will nun den versproch'nen Lohn!

Laß Dein Jammern und Dein Klagen,
versprochen ist in diesen Tagen,
daß Du, so haßvoll, wie Du bist,
herein fällst auf Deine eigene List.
Ich will Dich nun ganz zerstören,
Du kannst mir nicht mehr Gnade schwören.

,,Es ging mir nur ums Überleben,
besser wollt' ich's in meinem Leben.
Ich hasste diese ewigen Zwänge.
Ich wollte für mich andere Klänge.
Du kamst und hast mich überzeugt,
daß Gefühle nur die Fantasien beugt!

Ich wollte immer nur das Beste,
für mich die ausschweifenden Feste.
Ist doch nicht zuviel verlangt,
wenn schön des Hochmut Blüten rankt.
Wenn ich mich bade in andrer Schweiß
und Niemand über mich was weiß!''

,, Du wolltest gegen aller Wissen,
ein Leben ohne ein Gewissen.
Ich gebe es Dir als meine Rache,
Gewissen, Herz und Totenwache,
die Du hältst, mit Dir allein,
das wird meine List jetzt sein.

Na, spürst Du schon die erste Reue,
was nützt Dich, ohne mich die Schläue?
Kommt langsam die Erinnerung?
Macht Dein Herz nun einen Sprung?
Dazu schreit gleich noch Deine Seele,
auf daß ich Dich jetzt richtig quäle!''

,,Oh, mein Gott, bin ich verkommen!
Meiner Frau habe ich die Kinder genommen.
Hab' sie aus dem Haus getrieben,
Geburtstage, Weihnachten, kein Wort geschrieben.
In sechs weinende Kinderaugen
hinein geschrien, daß sie nichts taugen.

Meiner Frau hat sich der Tod erbarmt.
Sie ging ganz leis, total verarmt.
Die Kinder sind in ein Heim gezogen.
Ich hab' gezahlt, dabei betrogen.
Meinen Arbeitern die Freizeit gestrichen,
in derselben die Gunst ihrer Frauen erschlichen.

Du Hass in mir, Dich trifft die Schuld!
Du treibst mit mir den Teufelskult.
Lass mich allein, lass meinen Geist,
bevor er mit Dir weiter reist.
Das Band des Glaubens ist zerrissen,
Liebe und Hoffnung aufgeschlissen.

Mein Körper spürt nun alle Wunden.
Ich bin von Kopf bis Fuß zerschunden.
Das hast Du Hass mit mir gemacht.
Du hast das in einer Nacht vollbracht.
Ich will meinen Glauben, meine Ehre,
meine Kinder, die ich lang entbehre.

Ich will nicht Hass und Hab' und Gut.
Ich glaub', die Liebe gibt mir Mut.
Ich hab' die Hoffnung nicht verloren,
daß, wie plötzlich neu geboren,
in Demut erlebe die Weihnachtszeit.
Mit Dir Hass stirbt dann Zank und Streit!''

,, Ach Herr, ich glaub' Dir diesen Unsinn nicht,
schau in Dein habgieriges Gesicht.
Bist nicht mehr Herr über Deine Macht,
mit der Du Menschen hast bewacht?
Bewusst hab' ich Dich leiden lassen,
soll doch der Hass sich auch mal hassen!

Hast Du Angst um Dein leeres Leben?
Mit Schmerzen lass ich Dich erbeben.
Tod ist der Tribut des Ganzen.
Willst Du allein ins Finale tanzen?
Verhöhnst Du so Deine Eidversprechen,
um neue Schwüre neu zu brechen?''

,, Hass lass mir noch einmal die Wahl.
Mein Leben wird mir jetzt zur Qual.
Wenn Weihnachten die Kerzen brennen,
möcht' ich in ein andres Leben rennen.
Mit glühendem Herzen und offenen Armen,
flehe ich: Gott hab Erbarmen!''

,,Was glaubst Du, wen Du vor Dir hast?
Den Zug der Wünsche hast Du verpasst.
Du wolltest Niemand, nicht mal Dich,
Du gehörst mir, verstehst Du mich?
Ich lasse Dich nur Dinge tun,
die auf Deiner Vergangenheit beruh'n!''

,, Erbarmen mit den Menschen draußen,
denen ich beschert, Gewalt und Grausen.
Jedem hab' ich Böses angetan,
der Mammon wurde mir zum Wahn.
Dabei ist Alles nur geliehen,
auch wenn es noch so gut erschien.

Noch einmal möchte ich in Heiterkeit,
mit meinen Kindern zur Weihnachtszeit,
Geschenke tauschen aus reiner Liebe,
vergessen, die verdammten Triebe.
Mit den Arbeitern im Kollektiv,
die Erfolge teilen im Weihnachtsbrief.''

,,Nun gut, mein Herr, wenn ich jetzt gehe,
das heißt, wenn ich mich in Dir drehe,
dann bleib ich dennoch in Dir drin,
vielleicht sogar im guten Sinn.
Das Maß, wie Du die Dinge siehst,
ist ein Märchen, wie es keiner liest.

Wenn Du das Alles ehrlich meinst,
und keine falschen Tränen weinst,
dann steh' auf, geh' aus dem Zimmer,
lass endlich diese Angstgewimmer.
Du merkst, Du stehst am Lebensrand.
Reich' den Verstoßenen die Hand!''

Plötzlich fühlt der Herr sich frei.
,,Ist der Spuk denn nun vorbei?
Was hab' ich heute Nacht gehört,
was in mir, hat sich empört?
Diese Nacht war ein Gepolter,
sie war die schlimmste Seelenfolter.''

Er sieht die Uhr, die Zeit läuft ab.
Er muss was tun, es wird schon knapp.
Sein Kopf, der furchtbar revoltiert,
als hätte ihn einer maltretiert,
dröhnt unablässig ohne Ruhe.
,, Was soll denn diese Todgetue!''

In's Büro eilt er voller Hast,
Termine hat er schon verpasst.
Die Bücher wälzt er in der Stille,
ruft den Notar, sein letzter Wille,
wird festgelegt auf einem Blatt;
wer nachher kriegt, was er noch hat.

Die Mitarbeiter ruft er alle,
in die unbenutzte Festtagshalle.
Er ruft mit Freude in die Menge:
,, Am Weihnachtstag, bei Harfenklänge,
bringt alle, die ihr liebt, zu mir!
Vergeßt ja Niemand vor der Tür!

Ich werde Euch für Treu und Fleiß,
entlohnen mit dem schönsten Preis
Die Firmenzukunft geb' ich Schinder,
an meine lang vergess'nen Kinder.
Die lassen menschlich mit sich reden.
Gewinne gibt es dann für Jeden!''

Jetzt ist er wieder ohne Weile.
,, Ich hol' die Kinder voller Eile.''
Plötzlich sticht's in seiner Brust,
doch er eilt weiter, mit viel Lust.
Er ist am Ende seiner Kraft,
was er wollte, hat er noch geschafft.

,,Nun gut, mein langjähriger Gefährte,
das sind nun völlig andere Werte.
Daß Du diesmal konntest gewähren,
schafft Dir schon wieder alle Ehren!
Deine Schwüre, Deine Versprechen,
sind die Fehler Deiner Schwächen!

Du wirst nun endlich mit mir kommen,
sowie der Letzte Deine Worte vernommen.
Jetzt nehme ich Dich in die Pflicht,
da hilft Dir auch Dein Wandel nicht.
Die Zeit ist reif, für andere Gassen.
Du wirst die Erde nun verlassen!''

Alle, die er sonst gemieden,
bat er um Hilfe und um Frieden.
Als sie ihm die Hände reichten,
rief er den Pfarrer, um zu beichten.
Er lobt die göttlichen Gebote
und sieht sie nicht mehr als Verbote.

Der heilige Abend war perfekt,
die Kerzen hat er angesteckt.
Kein Mensch blieb dieses Mal vergessen,
singend hat mitten drin gesessen.
Als die letzten Harfen klangen,
ist der Herr aus dem Leben gegangen.




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