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Die Wasserfrau

Geschrieben von: Hanno Behrens

Die Wasserfrau

Still und glatt liegt das Meer im Sonnenlicht
und schattig ein Strahl durch die Krone bricht,
dann spielt er im Haar der Schönen, die drunter war.
Wie träumend am Fuße des Baumes gelehnt,
ihr Blick übers Meer in die Ferne sich sehnt,
ein Blumenkranz steckt ihr im Haar.

Da kommt auf seiner Wanderschaft
voll Jugend und Lied und mit Kraft
ein Barde des Weges am Baume entlang.
Ihm stockt seine Stimme mitten im Lied,
als er am Fuße des Baumes die Schöne sieht
und folgt ihrem Blick hinaus auf die Nebelbank.

Die Maid, die den jungen Barden sieht,
beginnt mit leichter Stimme ein Lied
das fremd ihm ist und unbekannt.
Sie singt: "Oh Barde, siehst Du dort,
draußen im Meer den fernen Ort,
die grüne Insel, das lockende Land?

Im Meer auf der Insel meine Heimat ist,
ich habe ein Boot, doch sicher ihr wißt
daß die Kraft einer Jungfer nicht reicht.
Doch ihr seid stark, ihr könntet mich rudern."
Vom Zauber der Stimme, wen würde es wundern,
denkt sich der Barde: "Das Spiel ist leicht."

Die Blätter im Baume rauschen im Wind
und flüstern leise: "Höre, mein Kind!
Geh' niemals mit der Wasserfrau,
denn das Herz ist ihr kalt,
ihre Seele ist tausend Jahre alt,
und die Augen nicht warm, sondern grau.

Ihr Land ist kalt und dunkel das Meer
bleib auf dem Weg, der and're ist schwer,
ich bitte dich, sei schlau.
Ich bitte dich, du mein Kind des Lichts,
dein Weg sind die Sterne, das Meer ist nichts,
geh' niemals mit der Wasserfrau!"

Doch der Barde die Warnung nicht hört,
denn die Stimme der Maid hat ihn betört,
steigt in ihr Boot und stößt vom Ufer sich fort.
Im Heckspiegel sitzt lächelnd die Maid:
"Kräftig der Schlag, der Weg ist nicht weit."
Das wack'lige Boot ist kein sicherer Ort.

Im Zauber merkt der verliebte Barde nicht,
wie mit jedem Ruderschlag ein neuer Tag anbricht.
Er weiterrudert, sich nicht wehrt,
begreift nicht den Fisch in ihrer Hand,
als sie greift über des Bootes Rand
und ihn mit spitzen Zähnen, lebendig gar verzehrt.

Der Barde rudert Schlag um Schlag,
und aus dem Tag wird Nacht und wieder Tag,
der Schweiß läuft in sein Angesicht.
Das Land, den Baum sieht er lange schon nicht mehr
und blickt nach vorn, denn die Ruder werden schwer,
vor ihm lagert Nebel, dicht um dicht.

"Du bist nicht stark, so niemals komm' ich an,
du schwaches Bild von einem Menschenmann",
mit spitzen Zähnen sie faucht und zischt.
Kaum, daß sie dies Ungeheuerliche sagt,
ein Mast aus der Tiefe des Nebels ragt
und eine Brise weich durch den Nebel wischt.

Heraus aus dem Nebelreich, das vor ihm liegt
tritt ein Piratenschiff, der Zauber verfliegt
und er wacht auf und sieht die Frau zum ersten Mal.
Da ruft sie schon hinüber: "He, Pirat!
Nimm mich doch mit, auf deine große Fahrt,
mein enges Boot wird mir zur Qual."

Kaum daß der Barde begreift, was hier geschieht,
der Pirat die Frau auf's Schiff hinüberzieht
kalt streift das Grau der Augen sein Gesicht.
Die spitzen Zähne und die Schuppen auf der Haut,
sowie die weißen Haare, die mit der Zeit ergraut
rufen zu ihm: "Vergiß mich nicht!"

Das Piratenschiff setzt die Segel und Gischt
schäumt um seinen Bug als der Wind auffrischt.
Am Ruder steht der Pirat mit Blut am Schwert.
Der Zauberbann der Wasserfrau ist nun für ihn,
wird sie den Kerl zu sich in schwarze Tiefe zieh'n,
wenn er mit ihr die Jahre fährt?

Doch aus diesen Gedanken schreckt er hoch,
denn in seiner Bordwand ist ein Loch,
wo vorher die Maid gesessen im Boot.
So verzweifelt er auch schöpfen kann,
so kommt er gegen Wasser niemals an
und springt verzweifelt in seiner Not.

Es packt die eisige Hand und will ihn zu sich ziehn,
doch er zappelt und schreit und kann entfliehen,
aber so leicht gibt das Meer geschlagen sich nicht.
Die Arme sind ihm vom Rudern schwer wie Blei,
die Luft trägt noch immer seinen Schrei,
da greift er suchend, verzweifelt um sich.

Und wieder will die eisige Hand in packen,
diesmal nicht unten, sondern am Nacken,
da merkt er, wie etwas neben ihm schwimmt.
Bevor noch die Geister ihn ewig halten
in ihren glitschigen Händen, den kalten,
er sich das etwas in die Hände nimmt.

Es stellt mit Überraschung fest,
es ist etwas Ganzes, kein treibender Rest,
es ist seine Laute, sein Instrument.
Er hält sich fest und umklammert sie
und erwartet den Angriff der Geister wie nie,
denn niemand wie er seine Laute kennt.

Der gute Geist und der warme Seitenklang
vertreiben die Geister des Untergangs
und erschöpft hält er sich an ihr fest.
So fest er kann, läßt niemals er sie gehen
bis schließlich die Sterne wieder am Himmel stehen
und ihn Hoffnung schöpfen läßt.

Um ihn her schwappt endlos trübes Meer
und er sehnt sich nach Sonne doch so sehr.
Da greift er voll Sehnsucht in die Saiten
und singt ein Lied, wunderschön wie nie,
das ist das Geheimnis der Bardenmagie
und trägt ihn auf ihren Flügeln, den breiten.

Die Sterne zeigen freundlich ihm den Weg
und seine Musik ihn über's dunkle Wasser trägt,
bald schon sieht er Licht und Land.
Schwebt übers Wasser, frei wie die Luft
und atmet ihren verheißungsvollen Duft.
Bald erreicht er den Baum am Strand.

Die Blätter im Baume rauschen im Wind
und flüstern leise: "Höre, mein Kind!
Geh' niemals mit der Wasserfrau,
denn das Herz ist ihr kalt,
ihre Seele ist tausend Jahre alt,
und die Augen nicht warm, sondern grau.

Ihr Land ist kalt und dunkel das Meer
bleib auf dem Weg, der and're ist schwer,
ich bitte dich, sei schlau.
Ich bitte dich, du mein Kind des Lichts,
dein Weg sind die Sterne, das Meer ist nichts,
geh' niemals mit der Wasserfrau!"

- 11.8.94 Hanno Behrens




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