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arthur.reeg
09.11.2009

Johann Gottfrie Seume; hier: meine Lieblingsballade
Johann Gottfried Seume (1763 - 1810) stammte aus einfachen bäuerlichen Verhältnissen. Nach dem frühen Tod seines Vaters nahm sich der Gr0ßgrundbesitzer Graf von Hohenthal seiner an und ermöglichte dem begabten Knaben den Besuch der Lateinschule. Er konnte bald die besten Autoren in Latein und Griechisch lesen (dazu kamen nach und nach noch etwa ein halbes Dutzend lebender Sprachen wie englisch, französich russisch, polnisch u a. m.). Er wechselte 1779 über auf die Nikolai-Schule zu Leipzig. Mit 17 Jahren wurde ihm die Universitätsreife zuerkannt und er sollte Theologie studieren. Das entsprach aber nicht seinen Neigungen. Er verließ deshalb 1781 Leipzig in Richtung Paris mit neun Talern in der Tasche. In Vacha/Rhön fiel Seume jedoch hessischen Werbern in die Hände und wurde vom Landgrafen Hessen Kassel als Soldat an die Engländer nach Amerika verkauft, um dort gegen die aufbegehrenden Kolonisten kämpfen.

In der Begegnung mit den Bewohnern Amerikas fand Seume den Stoff für sein Gedicht "Der Wilde", in dem er mit naivem "Rouseauismus" die schlichte Menschlichkeit des Indianers der "übertünchten (Fäulnis) Höflichkeit" gegenüberstellte.

Ein begnadeter Dichter war Seume sicher nicht; Seine Zeitgenossen Goethe und Schiller belächelten ihn eher.

Viel packender sind seine Lebensbeschreibung ("Mein Leben", eine aufregende Beschreibung seines abenteuerlichen Lebens im Dienste vieler Herren und Länder) und seine Reisebeschreibungen "Spaziergang nach Syrakus" und "Mein Sommer 1805", in den er akribisch über seine Fußwanderungen in den äußersten Süden Europas und nach Nordeuropa berichtet.
Sie werden m. E. viel zu wenig gelesen und sind offenbar auch nur einem kleinen Kreis von Liebhabern bekannt

Hier nun zu meiner Lieblingsballade vom edlen Wilden:

Der Wilde

Ein Kanadier, der Europens
Übertünchte Höflichkeit nicht kannte,
Und ein Herz, wie Gott es ihm gegeben,
Von Kultur noch frei, im Busen fühlte,
Brachte, was er mit des Bogens Sehne
Fern in Quebecs übereisten Wäldern
Auf der Jagd erbeutet, zum Verkaufe.
Als er ohne schlaue Rednerkünste
So wie man ihm bot die Felsenvögel
Um ein kleines hingegeben hatte,
Eilt er froh mit dem geringen Lohne
Heim zu seinen tiefverdeckten Horden
In die Arme seiner braunen Gattin.

Aber ferne noch von seiner Hütte
Überfiel ihn unter freiem Himmel
Schnell der schrecklichste der Donnerstürme.
Aus dem langen rabenschwarzen Haare
Troff der Guß herab auf seinen Gürtel,
Und das grobe Haartuch seines Kleides
Klebte rund an seinem hagern Leibe.
Schaurig zitternd unter kaltem Regen
Eilt der gute, wackre Wilde
In ein Haus, das er von fern erblickte.
"Herr, ach laßt mich, bis der Sturm sich leget",
Bat er mit der herzlichsten Gebärde
Den gesittet feinen Eigentümer,
"Obdach hier in euerm Hause finden".
"Willst du, mißgestaltes Ungeheuer",
Schrie ergrimmt der Pflanzer ihm entgegen,
"Willst du Diebsgesicht mir aus dem Hause";
Und ergriff den schweren Stock im Winkel.
Traurig schritt der ehrliche Hurone
Fort von seiner unwirtbaren Schwelle,
Bis durch Sturm und Guß der späte Abend
Ihn in seine friedliche Behausung
Und zu seiner braunen Gattin brachte.
Naß und müde setzt' er bei dem Feuer
Sich zu seinen nackten Kleinen nieder,
Und erzählte von den bunten Städtern
Und den Kriegern, die den Donner tragen,
Und der Grausamkeit des weißen Mannes.
Schmeichelnd hingen sie an seinen Knien,
Schlossen schmeichelnd sich um seinem Nacken,
Trockneten die langen schwarzen Haare,
Und durchsuchten seine Waidmannstasche,
Bis sie die versprochnen Schätze fanden.

Kurze Zeit darauf hatt' unser Pflanzer
Auf der Jagd im Walde sich verirret.
Über Stock und Stein durch Tal und Bäche
Stieg er schwer auf manchen jähen Felsen
Um sich umzusehen nach dem Pfade,
Der ihn tief in diese Wildnis brachte.
Doch sein Spähn und Rufen war vergebens;
Nichts vernahm er als das hohle Echo
Längs den hohen, schwarzen Felsenwänden.
Ängstlich ging er bis zur zwölften Stunde,
Wo er an dem Fuß des nächsten Berges
Noch ein kleines, schwaches Licht erblickte.
Furcht und Freude schlug in seinem Herzen;
Und er faßte Mut und nahte leise.
"Wer ist draußen?" brach mit Schreckentone
Eine Stimme tiefher aus der Höhle,
Und ein Mann trat aus der kleinen Wohnung.
"Freund, im Walde hab ich mich verirret",
Sprach der Europäer furchtsam schmeichelnd;
"Gönnet mir die Nacht hier zuzubringen,
Und zeigt nach der Stadt, ich werd euch danken,
morgen früh mir die gewissen Wege".

"Kommt herein", versetzt der Unbekannte,
"!Wärmt euch, noch ist Feuer in der Hütte!"
Und er führt ihn auf das Binsenlager,
Schreitet finster trotzig in den Winkel,
Holt den Rest von seinem Abendmahle,
Hummer, Lachs, und frischen Bärenschinken,
Um den späten Fremdling zu bewirten.
Mit dem Hunger eines Waidmanns speiste
Festlich wie bei einem Klosterschmauße
Neben seinem Wirt der Europäer,
Fest und ernsthaft schaute der Hurone
Seinem Gaste spähend auf die Stirne,
Der mit tiefem Schnitt den Schinken trennte
Und mit Wollust trank vom Honigtranke,
Den in einer großen Muschelschale
Er ihm freundlich zu dem Male reichte.
Eine Bärenhaut auf weichem Moose
War des Pflanzers gute Lagerstätte,
Und er schlief bis in die hohe Sonne.

Wie der wilden Zone wildster Krieger
Schrecklich stand mit Köcher, Pfeil und Bogen
Der Hurone jetzt vor seinem Gaste,
Und erweckt' ihn, und der Europäer
Griff bestürzt nach seinem Jagdgewehre,
Und der Wilde gab ihm eine Schale,
Angefüllt mit süßem Morgentranke.
Als er lächelnd seinen Gast gelabet,
Bracht er ihn durch manche lange Windung
Über Stock und Stein, durch Tal und Bäche
Durch das Dickicht auf die rechte Straße.
Höflich dankte fein der Europäer;
Finsterblickend blieb der Wilde stehen,
Sahe starr dem Pflanzer in die Augen,
Sprach mit voller, fester, ernster Stimme:
"Haben wir vielleicht uns schon gesehen? "
Wie vom Blitz getroffen stand der Jäger,
Und erkannte nun in seinem Wirte
Jenen Mann, den er vor wenig Wochen
In dem Sturmwind aus dem Hause jagte,
Stammelte verwirrt Entschuldigungen.
Ruhig lächelnd sagte der Hurone:
Seht, ihr fremden, klugen, weißen, Leute,
Seht, wir Wilden sind doch beßre Menschen!"
Und er schlug sich seitwärts in die Büsche.
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