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Ballade oder Textzeile
franzkschoen
19.10.2008

Leonardos Abendmahl
Guten Morgen, ich suche eine Ballade, die zum Inhalt hat, dass M. für sein Gemälde das Abendmahl ein Modell für seinen Christus sucht. ER findet einen wunderschönen Jünglng und als er später einen Judas sucht findet er denselben, völlig heruntergekommen.
Es beginnt:
Vor seinem Bild dem Abendmahl stand Leonardo in großer Qual und endet:
?? Jahre in Sünden und Schanden, seit ich euch den Christus gestanden.
Danke für die Mühe
Franz K. Schön
Antworten


Balladen.de am 20.10.2008
Re: Leonardos Abendmahl
Guten Tag Herr Schön,

das Gedicht stammt von Christoph Mickwitz (1850 - 1923) und heißt "Leonardo da Vincis Abendmahl".

Herzliche Grüße
Ihre Balladen.de

Leonardo da Vincis Abendmahl

Vor seinem Bilde vom Abendmahl
Stand Leonardo in stummer Qual.
Fünf Jahre sind es, seit er es begann,
Doch ob auch Jahr um Jahr verrann,
Trotz aller Mühe, trotz allem Fleiß
Fehlt immer noch in der Jünger Kreis,
Die um den Tisch des Herrn man sieht,
Der eine, er, der ihn verriet.

Da sitzt, das Auge so hell und klar,
Der Heiland in der Seinen Schar.
Da ist der Jünger, der kraftgestählt
Zum Fels der Kirche ward auserwählt,
Und jener, den beim Erdenwallen
Der Heiland lieb gehabt vor allen.
Da sind sie alle, von Meisterhand
Gebannt auf die weiße Klosterwand,
Um ihren Herrn und Heiland geschart,
Ein jeder kenntlich in seiner Art.
Nur einer fehlt. - Aufseufzend schwer
Klagt leise der Meister: „Wo nehm ich es her
Wo schaff ich das Menschenantlitz zur Stell,
Das für den Judas mir dient als Modell?
Ein Menschenantlitz so gottverflucht,
So voller Tücke und so verrucht,
Dass es, verstockt in Trug und Lüge,
Mir deutlich machte des Judas Züge?
Fünf Jahre schon such ich. Kann wohl auf Erden
Noch solch ein Antlitz gefunden werden?“

Und prüfend schaut der Meister aufs Bild.
Da grüßt des Heilands Auge so mild,
Als spiegelte sich in dem Angesicht
Der ewigen Güte göttliches Licht,
Als könnte dies Antlitz so klar und rein
Nie Sünde begehn, nur Sünde verzeihn.
„So hat auch des Jünglings Antlitz gestrahlt
Nach dem ich vor Jahren den Herrn gemalt
Wo aber finde ich wohl den Mann,
Der mir den Judas verkörpern kann?“
Und wie der Meister so sinnt voll Pein,
Da tritt ein Fremdling zur Tür herein,
Ein schlimmer Gesell, dem Schuld und Verbrechen
Aus seinen verwüsteten Zügen sprechen.

Erst steht er da, verlegen und stumm,
Schaut nach dem Bild sich verstohlen um,
Dann setzt er zögernd Fuß vor Fuß
Und grüßt den Meister mit scheuem Gruß.
Und wie der aufblickt, flüstert er schnell:
«Ihr sucht für den Judaskopf ein Modell?

Könnt ich, o Herr, wohl als solches dienen?
Man sagt, ich habe des Judas Mienen.
Ich brauche Geld. Mein Preis ist geringe,
Ich tu es für dreißig Silberlinge.»
Erschrocken fährt der Meister zurück;
Dann misst er ihn mit prüfendem Blick.
Er schaut ihm ins Antlitz und steht wie erstarrt:
„Das ist der Mann, den ich lange erharrt,
Das sind die Züge, die ich gesucht,
So tückisch lauernd, so gottverflucht,
Wie sie nur zeigt ein Angesicht,
Das nie gestrahlt in der Reinheit Licht.“

Schnell macht Leonardo sich bereit
Und malt und malt und gönnt sich nicht Zeit,
Bis er zustande den Kopf gebracht,
Der ihm so lange zu schaffen gemacht.

Und als er geendet, schaut er den Mann
Noch einmal seltsam prüfend an
Und fragt, als jener sich schickt zum Gehn:
„Wo hab ich Euch früher doch schon gesehn?“
Und jener blickt zögernd auf und spricht:
„O Herr, erkanntet Ihr mich denn nicht?
Ich kam geschlichen zu Euch voll Bangen
Fünf Jahre nur sind dahingegangen,
Fünf Jahre in Lastern, Sünden und Schanden...
Seit ich Euch zum Christus Modell gestanden!“





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